Herzen. Viel habe ich gerungen mit dem Vorsatz, allein ich bekenne, daß hier meine Kraft am Ende war. Vater, was ich bin, was deine Güte schon an mir lobte, da noch das große Geheimniß mir nicht enthüllt war, ist — Schöpfung der Liebe. Ein Mädchen, von einer unbekannten Herkunft, doch hochgestellt über alle Weiber an Schönheit in Gemüth und Form, erzog mich. Ohne sie würde ich die Tirannei eines siedenden Blutes nicht zu Boden gekämpft haben, ohne sie blieb mein Wissen, mein Empfinden arm, Geist und Herz errangen keine Harmonie, ohne sie schlug ich den stolzen Afrikaner nicht, dem es dann vielleicht in seiner Uebermacht gelang, Italiens heitre Gefilde zu verwüsten. Gestatte mir, Vater, die Göttliche zu suchen, die in Afrika, ach, vielleicht in der Stadt lebt, welche ich jetzt mit Kampf umringe. Menschlich fühlend kannst du dem Geständniß nicht zürnen, wie nur dein Purpur mich freuen kann, wenn ich auch Ini damit schmücke, wie alle meine Kraft, sonst vielleicht geeignet der Völker Zügel sicher zu lenken, am Grabe der Liebe stirbt. Verzeihe — ich mußte flehn!
Der Thronerbe harrte mit banger Sehnsucht
den Eilboten entgegen, die jeden Tag, in den Höhen von Rom daher flogen. Als, der Zeit nach, Antwort auf sein Schreiben anlangen konnte, verwunderte ihn seltsam der Befehl, sogleich die Belagerung einzustellen, und in Eile an den Kaiserhof zu kommen. Er sollte das Heer einem andern Feldherrn vertrauen, und dem Feinde überall Waffenruhe gönnen.
Das letzte schien, nach den Umständen, nicht weise, mächtige Verstärkungen konnten aus dem Innern von Afrika nahen, doch, der treue Sohn gehorsamte.
Wunderbare Ahnungen durchbebten seine Brust, da er nun die Luftgondel bestieg, über das Meer nach Rom zu eilen.
Dort angelangt, fand er den Völkerrath versammelt, den der Kaiser beschieden hatte. Er mußte gleich dort erscheinen. Der Vater sprach ihn nicht zuvor, besuchte jedoch mit zahlreichem Gefolge den Tempel der Unsterblichkeit, in welchen jene Männer sich eingefunden hatten. Denn hier sollte, der erhabneren Feierlichkeit willen, der junge Cäsar seine Prüfung bestehn.
Zum Erstenmal betrat er dies Heiligthum. Nicht aus Granit, nicht aus Marmor bestand
der Tempel, diese Stoffe schienen seinem Urheber zu wenig dauerhaft. Eherne Quadern, durch Gluten verschmolzen, bildeten die dicke Mauer, die weit gesprengte Wölbung der ungeheuren Rotunde, noch von Erzsäulen aus einem Guß getragen. Mosaik von edlen Steingattungen, für die Ewigkeit dargestellt, Thaten meldende Inschriften, Namen, die in flammenden Buchstaben glänzten, prangten da; groß war aber der noch leere Raum. In die gleichfalls ehernen Kellergewölbe hinab, leiteten Stufen. Unten befanden sich die Gräber mit Aschenkrügen.
Der Vorsitzer des hohen Rathes winkte den Kaisersohn zu sich.
Dein Vater will die Herrschaft mit dir theilen. Heldenthum bewährte schon den würdigen Feldherrn; wohnt in dir aber auch Kraft, die Völker zu lenken?