Jahre um, sprach sie, und wir haben Beide erreicht, was wir wollten, dann liegt es schon in der ganzen Natur dieser Schönheit, daß wir uns besitzen müssen. Und nun scheide mit einem männlichen Lebewohl.

Daß es nicht sehr männlich war, und die ermannende Rathgeberin selbst im Geheim der Fassung entrathete, ist zu vermuthen. Bei dem Allen ließ die hohe Wehmuth des Abschiedes auf lange Dauer wieder einen neuen Zug von Schönheit zurück.

Guido sollte nicht immer durch die Höhen reisen, weil ihm die Tiefe dann nicht kund geworden wäre. Ein segelfertig Schiff im Hafen ward bestiegen, das den Lehrer und Zögling nach der jetzigen Ostmark des Staates von Europa tragen sollte.

Die Kunst zu schiffen hatte bedeutend gewonnen. Unendlich geringer war die Gefahr dabei. Strand, Klippen, Meergrund hatte die viel erweitete Geographie treflich bezeichnet, der gute Pilot wußte den Strich, kannte die Tiefen seines Fahrwassers genau. Nächtliches Dunkel bereitete kein Hinderniß, weil man die Fahrzeuge mit Reverberen umhing, die im Umkreis

einer Viertelmeile fast Tageshelle verbreiteten. Der Kampf mit Stürmen brachte Niemand mehr in Verlegenheit. Denn es gab Ankertaue aus feinen Metalldräthen, welche große Haltbarkeit mit geringem Umfang verbanden, und befestigte dadurch das Schiff, mogte die See noch so empört wogen. Bei Windstillen, die früherhin den Seefahrer in zeitraubende Unthätigkeit versetzten, halfen neuerfundene Ruderwerke, durch einen einfach kunstvollen Mechanismus in Bewegung gebracht. Man baute auch weit größere Schiffe, was um so eher anging, als die Häfen überall zu ihrer Aufnahme geeignet waren, und benutzte den Raum darin geschickt. Es war endlich ein Lack erfunden worden, der allen Eindrang von Wasser hemmte, daher die Waaren in den Kellern ganz trocken lagen und zugleich in sehr großer Menge, denn rohe Erzeugnisse zu verfahren, schämte sich der meisten Nationen Kunstfleiß, und die verarbeiteten nahmen weniger Platz ein. Der obere Theil der Schiffe war gemeinhin sehr vortheilhaft abgetheilt. Die Seeleute hatten Verfeinerung genug angenommen, um sich nicht auf einseitige Beschränkungen zu verstehn, und der

Lebensgenuß war Jedermann zu wichtig, als daß er irgendwo verbannt gewesen wäre. Deshalb fand man hier einen Konzertsaal, der auch zum Theater umgeschaffen werden konnte, ein Lesezimmer, dessen Wandschränke mit Büchern, Karten und Instrumenten zum Behuf der Seefahrt und Naturkunde gefüllt waren. Eine breite Gallerie umlief das Schiff, besetzt mit Fruchtbäumen und Blumen in Töpfen. Hier lustwandelte man, ohne durch das Arbeitgetöse auf dem Verdeck gestört zu werden.

Zweites Büchlein.

Die Reise.

Gelino bemühte sich während dieser Meerfahrt den Zögling in mancherlei ihm noch unbekannten Dingen zu unterrichten. Das Vergnügen der Bequemlichkeiten mancher Art, die Zerstreuungen durch Musik und Bühne, wurden ihm sparsam zugemessen; er mußte dagegen häufig im Kristallthurm weilen, und die Natur unter der Wogenfläche beobachten.

Mit diesem Thurme hatte es folgende Bewandniß.