Dies geschah aber von Seiten des Heeres selbst. Die meisten Stimmen, im Geheim ertheilt, entschieden. So konnten keine unreine Mittel angewandt werden, ein solches Amt zu erlangen. Auch war es nicht ausführlich, Hunderttausend Mann zu bestechen. Nur ächte, keine Scheingenialität, konnte wohl mit ihrem Rufe so weit dringen, daß die Mehrheit einer solchen

Zahl in ihren Wünschen gewonnen ward. Dann sandte der aus den Aeltesten zusammengesetzte Rath des Heeres, die Wahl nach Rom, wo das Strategion, eine Körperschaft alter Feldherrn und Kriegsgelehrten, ihre Gründe untersuchte und danach abwog, ob sie dem Kaiser zur Bestätigung vorgelegt werden sollte, oder nicht. Diesem blieb zuletzt sein souveraines Ja oder Nein.

So weise verfuhr dies Zeitalter bei der gewichtigen Frage: wer seinen trefflichen Heeren gebieten sollte?

Wie trefflich diese Heere aber auch sein mochten, so kosteten sie dem Staate nichts. Gewissermaaßen nichts.

Denn jener zehnjährige Dienst nach den Lehrjahren, er mochte bei den künstlerischen Truppenarten oder nur bei dem einfacheren Fußvolke Statt haben, (wo auch Viele blieben, die jene zu schwierig für sich fanden,) ward nicht allein mit Kriegsübung hingebracht. Dies hätte man unnöthig, überflüssig gefunden. Die großen Heere tummelten sich drei Monate im Jahr. Und dabei wählte man nach einander Frühjahr, Sommer, Herbst und Winter. Dies schien hinlänglich,

das Handwerk fortgesetzt in seiner Gewalt zu haben, und der Strenge jeder Witterung Trotz bieten zu können. Zudem hatten diese Uebungen so viel Praktik als immer thunlich blieb. Zwei Heere bildeten sich und verfuhren als Feinde gegen einander, auf alle Weise die Wirklichkeit darstellend, nur daß freilich die Röhre nicht mit Kugeln versehen waren. Gleichwohl ging es dabei nicht ohne Gefahr ab, worauf es auch bei Menschen, deren ganzes Wesen die Gefahr geringschätzen soll, nicht ankommen muß. In der Hitze des Streits blieb hie und da ein Krieger, und ward dann, als ob Ernst bestanden hätte, an den Ehrensäulen genannt, welche der Nachwelt die Namen derer übergaben, die im Kampfe mit des Vaterlands Feinden gefallen waren.

Nun hatte aber der Staat seit lange den Heeren Ländereien übergeben. In den Provinzen, Polen, Moskau, Schweden, manchen Gegenden der vormaligen Türkei von Europa, gab es überflüssige Waldungen, unbewohnte Steppen, Moräste, die einer Austrocknung fähig waren, in Menge. Auch fanden sich hie und da Bergwerke, zeither ungenützt und ergiebig. In den

neun Monaten, wo nun die Soldaten sich nicht mit den Waffen beschäftigten, war ihr Beruf, zu urbaren, zu bauen, zu säen, zu pflanzen, zu ärnten. Dies war im Laufe der Zeit schon weit gediehen, und die Krieger hatten ungemein wohlgepflegte Besitzungen.

Nach den Lehrjahren wirklicher Soldat, empfing auch Jeder seinen Antheil, den er für sich bearbeitete, doch auch die Obliegenheit, einer nebenliegenden Hufe seine Sorge zuzuwenden. Diese war Vermögen der Gesammtheit, welche, durch die Menge derselben, sich eines hohen Reichthums erfreute. Aus den Einkünften davon, konnte nicht allein der Sold für die Rekruten und Veteranen, bestritten werden, sondern sie waren auch die Quellen, aus denen man zum Behuf der anderweitigen Heeresnothwendigkeiten schöpfte.

Das Heer ließ seine Magazine mit Korn füllen, und häufte hier immer Vorräthe für mehrere mögliche Kriegsjahre auf. Es zog seine Pferde in den wilden Stutereien. Es ließ seine Kupferminen, seine Eisen- und Schwefelbergwerke bearbeiten, erzeugte Salpeter, Ammoniak und andere Gegenstände für seine Waffenfabriken