„Einem andern Mädchen dürfte ich schon kühn nahen, und um ihre Hand werben. Denn ein stattlicher Ritter, leg’ ich der Geliebten Feindes Waffen zu Füßen, und schmücke sie mit einer Eroberung. Du aber steigerst deinen Vertrag, und darfst, du Göttliche, höhern Preis auf dich setzen. Je mehr ich sinne und handle, je mehr lerne ich dich verstehn, je mehr begreife ich, wie deine Idee menschlicher Würdigkeit weit hinaus liegt, über alles, was schon Sterbliche thaten. Ich müßte vor diesem reineren Erkennen verzweifeln, deiner Forderung glorreich Genüge zu thun, hätte ich nicht die Wunderkraft fühlen lernen, die dein Bild in meine Adern gießt. So aber beginne ich hoffend den neuen Lauf, lebt doch das Flehn in mir, das dich um Beistand anrufen kann, wie in jenes Kampfes Stunde, wo gnädig mich die Göttin erhörte.“

Gelino sagte darauf, laß uns eine andere Wohnung beziehn, wo wir mehr Schutz gegen die Kälte finden. Der Winter ist strenge, immer höher deckt sich der Boden mit Schnee.

Guido empfand die Unbehaglichkeit eben nicht, doch dem schwächeren Greis nachgebend, folgte er willig.

Sie traten am Abend in ein geräumig Haus, dessen Zimmer trefflich durch Oefen erwärmt und artig verziert waren. Willst du nicht deine Bemerkungen über die Reise aufzeichnen, und die Geschichte deines Feldzugs? fragte Gelino. Der Jüngling dankte ihm für die Erinnerung, und eilte um so eher zu schreiben, weil ernsthaftere Beschäftigungen dem eben gefaßten Vorhaben entsprachen. Mit Ausnahme eines kurzen Schlafs, und einer Stunde beim Mahl, wich er nicht von seiner Arbeit. Einigemal ward er darin gestört, weil ihm dünkte, das Haus bewege sich. Sollte das ein Erdbeben sein? fragte er den Lehrer. Weiß man denn hier nicht, wie in Italien, die Zeit und die Stärke einer solchen Naturerscheinung zu berechnen, oder sie abzuwenden von den Städten, mittelst tief gewühlter Brunnen, durch welche das tiefe Feuer einen Ausweg findet?

Sei unbesorgt, erwiederte Gelino, hier sind die Erdbeben selten, und träte ja der Fall ein, würden die Naturkundigen schon zeitig warnen.

Glaube nicht, man sei hier noch so unwissend, wie in rohen Jahrhunderten einst durch ganz Europa, wo Städte zertrümmert wurden.

Gab es wirklich eine so unwissende Zeit? fragte Guido staunend.

Sieh da die Folge deiner Säumniß, Geschichte zu lernen, strafte der Lehrer. Lissabon und selbst unser Messina haben einst furchtbar dadurch gelitten. Du weißt viel, erfindest viel, dennoch schöpfest du zu wenig aus dem rechten Quell.

Du hast Recht, gab Guido zur Antwort hier sieht mein Streber noch ein weites Feld. O ich muß auch die Naturkunde noch mehr treiben und manches Andere.

Nun, wir werden auch ins gelehrte Deutschland kommen. Da magst du dich mit Elementen vertrauen und deinem künftigen Denken neue Richtungen geben.