Guido wohnte einer Vorlesung über die Veränderung der Erdachse, und einer andern über die Abnahme des Meeres bei, hörte viel Staunenswürdiges, und lernte ernster über die großen Beobachtungen nachsinnen, welche Jahrtausende der Vorwelt und Jahrtausende der Nachwelt umfassen. Man sprach von einer Zeit, wo die hohe Tatarei noch unter der Linie gelegen hatte, und von einer anderen, wo der Polpunkt in Irkutzk zu finden sein werde. Man erzählte von einem Volke, das vor Zehntausend Jahren in Siberien gelebt, und sich eines ziemlichen Grades von Kultur erfreut habe. Die Monumente, unter der Erde gefunden, die alten erhaltenen und endlich entzifferten Schriften, hatten ein zweifelfreies Licht darüber verbreitet. Man wußte genau, um welche Zeit Schweden aus der See hervorgetreten wäre, und gab wieder jene an, in welcher der finnische Meerbusen trocken liegen, und sich zum Anbau eignen würde.

Diese Akademie gab auch bisweilen der Stadt Petersburg ein ganz eigenthümliches Fest, und gemeinhin in den längsten Nächten, wenn kein Mond schien. Sie hüllte sie dann nämlich in ein künstliches Nordlicht, was eine ganz zauberische Wirkung hervorbrachte. Denn die Gesetze dieser Meteore, lange ein Geheimniß, waren ergründet worden, und man brachte die Materie beliebig hervor, was jedoch nur in diesen Gegenden, und bei einem gewissen Kältegrad anging.

Es herrschte hier ein Nachkömmling der Romanow, denn jenes Haus, da es sich erobernd gegen den Orient gewandt hatte, wollte doch nicht ganz die Vatererde aufgeben, wo einst Peters schöpferischer Genius das erste Licht besserer Aufklärung anzündete. Auch sah man Peters Standbild, einst von der genievollen nordischen Semiramis erhöht, noch wohlerhalten und vielgeehrt an der alten Stelle.

Nach Genüssen und Belehrungen mannichfacher Art, wandten sich unsere Reisenden nach dem ehmaligen Polen, wo sie gegen den Frühling ankamen.

Gelino sagte: Dies Land war vor einigen

Jahrhunderten durch eine fehlerhafte Regierungsform sehr arm an Menschen. Der Landbau, wie sehr es durch fruchtbaren Boden darauf angewiesen ist, ward unvollkommen getrieben, die Handwerke und Künste lagen ganz danieder. Sklaverei der geringen Klassen entehrte die Menschheit. Jetzt hingegen prangen seine Gefilde in üppiger Erzeugung, wohlgebaute Städte und Dörfer zeigen reiche Bevölkerung, Kunstfleiß in jeder Art ist regsam. Dies vermag langer Friede unter weiser Verwaltung.

Guido ergötzte sich innig bei dem lachenden Anblick, der sich allenthalben darbot. Große Kunststraßen und Nebenwege waren ohne Ausnahme mit mehreren Reihen nutzbarer Obstbäume beflanzt, deren Blüthenschnee mit den dunkelgrünen hochbegrasten Triften und fetten Kornfluren angenehm wechselte. Nie hatte Guido so stattliche Heerden gesehn als hier weideten. Er rief: Siziliens Landschaft ist mannichfacher, feinere Baumgattungen und Fruchtarten schmücken sie, doch ein so frisches Grün labt dort die Blicke nicht.

Gelino antwortete: Die Natur ist überall

reich, der Mensch verstehe nur ihre Winke gehorsam, und sie lohnt.

Der Zögling wunderte sich über die vielen Kanäle, mit denen das Land durchzogen war, und die von Flössen und Fahrzeugen wimmelten. Wer hat alle diese Arbeiten vollbracht, und zu welchem Ende? fragte er.