Wie, ich soll dich in dem langen Zeitraume nicht erblicken?
„Die erste Prüfung! Auch eine nothwendig ungestörte Frist!“
Unbegreifliche! — Und dennoch erwacht mir die Hoffnung, ich werde den hohen Sinn deiner Worte faßen lernen.
„Frage den Geist der Liebe, sein Orakel tönt in deiner Brust. Und nun nichts weiter. Lebe wohl!“
Ehrerbietig entfernte sich Guido, irrte umher
in den lieblichen Thalen, bis Nachtviolen die Orangenblüthe überdufteten und der Vollmondschein durch die Oelbäume und Mandelsträuche des blumigen Hügels winkte.
Wie auch der Sturm heiliger Empfindungen in ihm wogte, immer ward die Frage laut.
Und der Liebe Geist antwortete ihm leise: So du der Seele Schönheit pflegst, wird sie sich in der Gestalt verkünden.
Guido kniete nieder vor der Gottheit in seiner eigenen Brust und flehte innig um Lehre.
Wer so innig fleht, wird erhört. Aus dunkeln Nachtgewölken enthüllte sich mit jedem Tage die Misterie reiner, bis die Pfade ihm von tausend Morgensternen erhellt schienen.