Mund in zwei rosenhaft prangenden, sanft gespannten Lippen, darstellten, begannen seinen Puls zu erhöhen. Alles mahnte ihn an Ini, nur eine etwas längere Gestalt sah er hier. Er konnte nicht umhin, der freundlichen Erscheinung im Gedränge zu folgen, den trunkenen Blick ihr nachzusenden, endlich bebend die Maske zum Tanz einzuladen. Sein Verlangen ward erfüllt, selig flog er mit der Schönheit durch die Reihen. Ihre Berührung traf ihn wie elektrische Funken. Gefühle wie aus anderen Welten durchströmten ihn. Die Musik, nur Melodien der Liebe und Wollust athmend, nahm das noch Uebrige seiner Besonnenheit hin.

Wien, schon im Alterthum seiner Tonkünstler wegen gerühmt, hatte auch zeither hierin den Vorrang behauptet. Die Revoluzion der Musik, Ehedem kaum geahnt, war von Wien ausgegangen. Wo sonst die Töne wild und dunkel schwärmten, fand jetzt alles klare Bedeutung. Die Musik hatte, was ihr immer fehlte, ihre Grammatik empfangen, auf diese gründete sich die Uebereinkunft wegen ihrer Sprache. So konnten die bestimmten Zusammenklänge, Figuren, Zeitmaaße, Worte vertreten; Poesien, Reden

u. s. w. ausgeführt werden, die der leicht Unterrichtete vollkommen verstand. Einem Götteridiom glich die herrliche Erfindung. Welchen Eindruck mußte sie hervorbringen!

Bei der Tanzmusik entstanden oft Klagen der Polizei, wenn sie zu üppige verführerische Klangworte sprach. Wie jener Grieche einst die Saiten der Lira verminderte, wie Gregor VII. bei dem Tempelchor auf größere Einfalt drang, ließ sich jetzt eine Censur die Tanzstücke vorzeigen, und strich manche Notenphrase. Bei den maskirten Bällen sah sie indessen hie und da nach, vielleicht zu sehr, und so ging dem zu weit hingerissenen Jüngling, die alte Strenge gegen leidenschaftliche Aufwallung, beinahe zu Grunde.

Guido knüpfte, mit seiner Tänzerin im Nebenzimmer ruhend, warme Unterredungen an. Sie war im Anfang einsilbig, antwortete jedoch immer mit Witz und Gehalt. Auch tiefe, himmelvolle Empfindung verkündete sich in ihren Worten. Guido sagte ihr, seiner nicht länger mächtig: Ich liebe ein Mädchen daheim, ach mehr wie das Göttliche in der Natur, nimmer wankte mein Herz — als vor deinem Anblick!

Die Verschleierte gab zu Antwort: Der

Uebergang von Liebe zu Liebe lohnt mit hoher Wonne. Der strafende Vorwurf, was kann er, als den neuen seligen Taumel würzen!

Guido rief: O wie unterwirft mich der Zauberklang deiner Stimme! Dein Auge strahlt helle Glorien durch den Schleier. O warum darf ich es, warum die Blüthe der Wangen nicht sehn?

Hier nicht, entgegnete die Schönheit, doch folge nach meiner Wohnung.

Sie stand auf, eine ganz verhüllte, ältliche, weibliche Maske, trat hinzu, begleitete Jene.