Umsonst bemüht das Thor zu öffnen, weilte er mit Einemmale starr und unbeweglich. Eine Melodie ergriff ihn so wunderbar. In holden Zaubertönen redend, edler, siegender, wie alle die er in Wien gehört hatte, doch schon einst von ihm gehört, löste sie göttlich seine innere Welt. Erinnernd, die seligsten Bilder der Vorzeit

im Gefolge, traf ihn die Melodie. Die Saiten einer Zephirharmonika strömten sie nieder, dort in Sizilien hatte sie ihn einst zu einem verklärteren Dasein emporgetragen. Was hieß das? Was sollte Guido denken?

Er konnte nicht mehr fliehn, wandte sich um, nach der Seite des Klanges horchend. Süß lispelten die Zweige der blüthenduftenden Linde, im stärker wehenden, warmen Abendwind. Höher schwebte der klare Mond, heller gossen sich seine Strahlen auf die Wipfel nieder, Guido sah etwas über diesen Wipfeln, sanftleuchtend und rosig schimmern, und wandelte bebend den Pfad dorthin. Die schwarze Maske trat ihm entgegen, nahm ihn bei der Hand, führte ihn durch eine dunkle Krümmung, wo er aus den Blick verlor, was er eben gesehen hatte, doch immer noch, die Melodie vernahm. Kein Wort konnte die Lippe stammeln. Bald endete das Dickigt vor einem freien mondbeglänzten Hügel, und völlig sichtbar in der ereilten Nähe, winkte das hohe Instrument, dem ähnlich, das Guido auf dem heimathlichen Eiland entzückte. Die Hebe rührte nun ihre Saiten nicht mehr, stieg herab, ach! wie einst Ini im Abendschein. Guido sank

aufs Knie, Ahnung, Verwirrung, Furcht und selige Wonne zugleich im Busen. Des Mädchens weißer Arm zog den Schleier vom Antlitz — o Himmel! — Geliebte! Mehr vermochte der Jüngling nicht zu sagen.

Ini trat näher, erhob ihn lächelnd. Prüfen wollt’ ich deine Liebe, sprach sie, Athania war Zeugin von Allem. — Die schwarze Maske enthüllte auch ihr Gesicht.

O ich bin ein Unwürdiger, verdiene den Tod! rief Guido mit zerrissenem Gemüth.

Richte, Athania! sprach Ini wieder.

Die Erzieherin fing an: Männlich hast du der scheinbaren Verführung widerstanden. Deine Flucht war Treue und Tugend. Nicht darf dich die Liebe anklagen.

O Ini, brach Guido aus, der Schrecken in nie geahnten himmelvollen Entzückungen verwirrt mir die Seele. Laß mich Besonnenheit sammeln, damit ich mein Herz fragen könne, ob Schuld seine Reinheit trübt? Dann — o dann will ich entfliehn, mich ewig zu verbergen!

Frage, entgegnete hold das Mädchen.