sich in mancherlei Mitteln gegen diesen Uebelstand erschöpft. Es sei im Werke gewesen, die nahenden Regenwolken jedesmal durch Kanonen von Luftbatterien zu zerstreuen und so die Atmosphäre der Stadt zu reinigen. Allein die Eigenthümer der Gärten in den Umgebungen, hätten sich über diese Maaßregeln mit Recht beklagt, weshalb man sie einstellen müssen. Endlich aber sei ein Projektant aufgetreten, mit dem riesenhaften Entwurf eines Regenschirms für die eigentliche Stadt.

Die dünne Spitzsäule, fuhr er fort, ist es. Eine Gesellschaft Aktieninhaber besorgte die Errichtung; eine kleine Abgabe aller Einwohner, für die trockne Reinlichkeit willig gezollt, trägt den Zins und die fortlaufenden Kosten. Die Säule steht genau in der Mitte von Paris. Zweitausend Schuh hoch, besteht sie aus starkem Granit, auf einer hinlänglich festen Grundlage. Dann folgen bis zur Spitze wohlzusammengefügte Eichenstämme, um welche Eisenringe laufen. Eine Wendeltreppe von Außen führt vom Fuß bis zur Höhe.

Der ungeheure Schirm besteht aus einem von Hanffäden gewebten Tuch, mit wasserdichtem

Firniß überzogen. Wallfischrippen, durch Klammern verbunden, spannen ihn bis zur Mitte, von da wird der gardinenartig aufgehobene Theil, mittelst gewaltiger Taue, die nach allen Seiten in Abständen von Hundert Klaftern, zur Erde gehn, niedergezogen und wieder empor gebracht. Die Erhebung der Wallfischrippen vollzieht ein ungemein kunstreicher Mechanismus.

Indem er noch sprach, umdunkelte sich der schon trübe Himmel noch mehr, die Gewölke nahmen gegen die Stadt ihren Lauf. Eine Fahne wehte plötzlich vom Gipfel der Piramide, das Zeichen für sämmtliche Arbeiter an ihr Werk zu gehn. Nun währte es kaum zwei Minuten und das weite Gezelt breitete sich über die Tempel und Häusermassen hin. Der Postillon trieb die Adler mächtig an, um auch bald den Schutz zu genießen, und in kurzem befand man sich unter der wohlthätigen Decke, auf welche der Platzregen mit dumpfhohlem Getöse niederschlug. Guido bewunderte am meisten die Röhren des Umkreises, die das abströmende Wasser auffingen, und in die verschiedenen, zu diesem Zweck gegrabenen, Teichbassins leiteten, die wieder einen Abfluß in der Seine fanden. Er betheuerte: unter

allem Merkwürdigen, was er noch auf der Wanderung gesehen, stände dieser Paraplu oben an. Es ist auch ein Erdenwunder von Kunst, sagte Gelino.

Sie stiegen im Posthause ab, übergaben Trägern ihr Gepäck, und eilten zu einem Wechsler, wo der Lehrer Summen, für ihren Aufenthalt nöthig, in Empfang nehmen wollte. Unterwegs stellte sich ihnen ein sonderbarer Anblick dar.

Ein Mensch bettelte. Dies war so unerhört, daß das aufgeregte Mitleid keine Gränzen kannte. Aus allen Häusern eilte man hervor, den Unglücklichen mit Wohlthaten zu überhäufen, der sich auch bald in Besitz so vielen Geldes sah, daß er flehend bitten mußte, nur einzuhalten.

Guido reichte ebenfalls hin, was er bei sich trug, und fragte den Lehrer: wie so eine, die Menschheit entwürdigende, Erscheinung möglich sei? Dieser erkundigte sich näher, und erfuhr: der Mann wäre aus dem südlichen Amerika, und durch einen Schiffbruch um seine Habe gekommen.

Guido schauderte bei der Nachricht von einem