Kadix, Toulon, Genua, Ankona, Korfu, Konstantinopel waren übrigens auch Kriegshäfen, doch der obern Leitung der Admiralität zu London übergeben worden.
Die Flotte gehörte wie das Landheer dem Föderalismus. Ihre junge Mannschaft zog sie aus allen Küstenlanden. Der Dienst eines Seesoldaten, wie sein Unterricht, seine Entlassung oder Beförderung zu wichtigeren Stellen, wurden nach Grundsätzen verfügt, die jenen beim Landheere ähnlich waren.
Der Staat zahlte keinen Sold, dennoch aber war die Seemacht wohlgerüstet, wohlgenährt, besaß sogar Schätze genug, um einen langen Krieg aus ihren Mitteln führen zu können. Dies machte, weil die Schiffe sechs Monate im Jahre zum Handel gebraucht werden durften, den die Admiralität, für Rechnung der Flotte, nach allen Erdgegenden trieb. Unbedingte Hafenfreiheit durch ganz Europa machte ihn noch weit einträglicher.
Guido meldete sich bei dem Befehlhaber der
auszulaufenden Fahrzeuge, sagte ihm, wie er sich zwar dem Kriegdienste zu Lande gewidmet habe, dennoch aber einer Seeübung als Freiwilliger beizuwohnen wünsche. Die Erlaubniß wurde auf seine Bitte zugestanden, nachdem er vorher bedeutende Proben seiner Geschicklichkeit im Schwimmen, Fechten und Schießen nach dem Ziel, abgelegt hatte.
Der Seekrieg wurde auf eine weit furchtbarere Art geführt als Ehedem. Man zählte auch drei Truppengattungen. Eine davon bestieg Luftfahrzeuge, suchte brennende Stoffe auf die feindlichen Galleonen zu werfen und Masten oder Segelwerk zu zerstören. Sie ward im Vollziehen und Abwenden nach Bedarf geübt. Die andere diente in den Schiffen selbst auf mancherlei Weise. Es gab Schützen, welche dicht bepanzert an Strängen hingen. An den Masten wurden sie staffelförmig zur Höhe gezogen, damit ein dichter Rohrhagel zugleich konnte abgesendet werden, und nach dem Feuer hinter die Brustwehr zurückgesenkt, dort laden zu können. Einem feindlichen Schiffe nahe, mußten sie auf einer Fallbrücke hinüber und mit dem Schwert wüthen, blieben demungeachtet aber an das ihrige gebunden, um
sie im schlimmen Falle, eilig wieder auf das eigene Verdeck zu ziehn. Es gab Schiffartilleristen, noch kunstfertiger als jene auf dem Lande. Sie bedienten sich immer der glühenden Kugeln, denen zweckmäßig ersonnene Oefen, in einem Augenblick die nöthige Hitze gaben. Auch lange Schwerter wurden in Bögen von oben nach unten, und von einer Seite zur andern, aus dazu geeigneten trogartigen Mörsern geworfen, Tauwerk und Segel zu verwüsten. Es gab Schiffchemiker, welche die Brandmaterien anfertigten, womit man noch wirksamer als selbst durch die glühenden Bälle zu zerstören strebte, und auch wieder Stoffe, welche den verderblichen Lauf derer, welche der Feind sandte, hemmen konnten, alles Resultate von Erfindungen welche die Vorzeit noch nicht ahnte. Es gab Seemechaniker, die bewunderswürdige Maschinen lenkten. Dahin gehörten die schnellen Ruderwerke, welche bei Windstillen dienten; die künstlichen Steuer, geschickt ein Fahrzeug in unglaublich kurzer Zeit zu drehen. Den Krieg unter dem Meere konnte man dennoch als den wichtigeren betrachten. In den schon beschriebenen Taucherhütten galt da der schlaue grimmige Kampf. Unter den Bauch
der Schiffe suchte man anzulangen, mittelst fürchterlicher Bohrer Lecke zu bereiten, oder noch fürchterlichere Petarden anzuschrauben, deren Pulver auch im Wasser seine Kraft übte. Wer hätte nicht glauben sollen, bei so vielen Zerstörungsmitteln müßte es in wenigen Minuten um ganze Flotten geschehen sein, dennoch begründeten die Gegenmittel wieder ein Gleichgewicht der Kräfte, und zeigte der Feind dieselbe Kunst, hing die Entscheidung oft an Zufälligkeiten. Die Befehlhaber gestanden auch, wie die Flotten von Afrika oder Amerika, eben so wohlgerüstet und mit kunsterfahrnen Kriegern bemannet wären, daß also hier von keinem überwiegenden Vorzug die Rede sei, und derjenige ein wichtiges Verdienst um den Meerkrieg erwerben könne, der etwas aufzufinden im Stande sei, das, den Fremden unbekannt, in der nächsten Fehde den gewissen Ausschlag gäbe.
Dies Wort warf einen Funken in Guidos Einbildungskraft, und ließ sie aufflammen. Sollte diese Aufgabe nicht zu lösen sein? fragte er sich. Und warum nicht? Strebt doch alles höherer Vollkommenheit entgegen. Er sann weiter über diesen Vorwurf nach.
Die Flotte lichtete die Anker. Guido hatte von dem Lehrer Abschied genommen, der in London zurückblieb. Bei einem wüthenden Orkan stach man um Mitternacht in See, doch die Fertigkeit spielte nur mit den Hindernissen. Gegen den Wind kämpften die Ruderwerke, die Klippen und Sandbänke, nach welchen zu steuern, mit gutem Bedacht geboten wurde, umlenkte Geographie des Meergrundes und der Piloten Besonnenheit. So langten die Schiffe nach wenig Tagen in den gefahrvollen Belten an, trafen bei einem dunkeln Nebel auf jene, welche die feindliche Rolle gaben, und der Kampf begann.