»Warum hatte es der Schneider nicht eingelegt? Uebrigens auch einer von ihren Fehlern, daß sie so wächst. Sie braucht nicht allein so oft neue Sachen, sondern immer mehr Zeug dazu.«

Du magst sagen, was Du willst, mein Kind: sie muß doch wieder ein Kleid haben.

»Was? Schon wieder? Erst vor drei Jahren ...«

Da war sie noch nicht sechzehn Jahre; seitdem ist sie erst recht aufgeschossen. Eingelegt war das Kleid; es ist schon einige Mal nachgelassen, nun geht es aber nicht mehr. Pinchen laß einmal das Blumenpflücken, und steh auf ... Da siehst Du? Kaum sind noch die Waden bedeckt.

»Nun, ich sehe noch gar nicht, daß es so sehr zu kurz ist. Aber doch unverantwortlich, wie das Mädchen wächst. Daran bist Du wieder Schuld, sonst Niemand. Das kommt von dem Ueberfüttern.«

In einem Vierteljahr werden vielleicht die Kniee zu sehen seyn. Bedenke doch, was der Wohlstand fordert!

»Wohlstand, Wohlstand! Eben das Mädchen macht, daß ich nimmermehr zu einigem Wohlstand komme! ... Aus einem neuen Kleid wird nichts. Sie kann Sonntags zu Hause bleiben, und im Predigtbuch lesen.«

Und, mein Kind, daß Du immer sagst, Philippinchen soll nicht heirathen, kommt mir auch wunderlich vor. Du wirst so bald nicht sterben. Ach, Gott! ich glaube, Du stirbst in Deinem Leben nicht. –

»Ha ha ha! In meinem Leben freilich nicht, aber in meinem Tode. Du bist und bleibst doch eine dumme Gans! Wenn's aber noch lange damit ansteht, soll es mir lieb seyn.«

O, es wird noch lange genug damit anstehn; Du bist ja gesund, wie ein Fisch im Wasser.