Er bekam zur Antwort: Nun – weil Sie so gerne Korn trinken.
Hierüber gerieth der Conrektor fast außer sich, und wollte den Beleidiger nicht mehr in seiner Klasse dulden.
Feuerroth wollte nun auch der Subrektor hören, weshalb denn sein Titel eine Veränderung erlitten habe. Der junge Mensch antwortete: es sei ihm zu Ohren gekommen, der Herr Subrektor habe einmal auf einem Schmaus eine ganze Terrine Suppe allein verzehrt.
Nun wollte auch dieser ihn nicht mehr unterrichten. Wär' es noch klassischer Witz, sagte er, so behielt' ich ihn in meiner Klasse; Allein dieser Witz ist schal, trivial.
Bei der Schule stand aber noch ein Quintus, der berühmt und berüchtigt zugleich war: jenes, weil er mehrere Schriften herausgegeben, die Aufsehn in der gelehrten Welt machten; dieses, weil er ehedem schon ein andres Amt bekleidet, aber von den jungen Mädchen, die er unterrichten sollte, zwei in einen Zustand versetzt hatte, nach welchem sie gesegnet zur Einsegnung kamen. Man hatte ihn weggejagt und noch anderweitig hart bestraft; ihn endlich aber, seiner trefflichen Kenntnisse wegen, doch wieder als Schulmann – nur nicht bei Mädchen – angestellt. Dieser Quintus trat nun für Lisuart ein. Er wollte bemerkt haben, daß der junge Mensch ein Genie sei. Nur Geduld! setzte er hinzu; es wird sich schon entfalten, und dann geht es auch mit den Studien über Hals und Kopf. Ich weiß, wie es bei mir gegangen ist.
Schon wollte der Vater seinen ungerathenen Sohn wieder mit nach Hause nehmen; doch der kleine Schimmer von Hoffnung, auf welchen der Quintus deutete, bestimmte ihn anders. Er versprach dem Conrektor und Subrektor, ihnen ein Paar geräucherte Schinken in die Küche zu senden, wenn sie die Sache gut seyn ließen.
Lisuart wohnte bis jetzt bei einem Bürger, dem der Vater eine Art von Aufsicht über ihn anvertraut hatte. Der Mann sagte aber: der junge Herr folge nicht, und richte auch im Hause nur allerlei Unfug an; darum wäre es ihm lieber, wenn der junge Herr auszöge.
Dem Vater fiel nun ein, daß in D*** ein verabschiedeter Hauptmann lebe, der sein Freund und Herr Bruder sei. Er ging mit Lisuart zu ihm, und fragte: ob es anginge, und er ihm die Freundschaft erzeigen wollte, den Sohn in sein Haus zu nehmen? – Von dessen übler Aufführung verschwieg er nichts, setzte aber hinzu: Strenge ist um so nöthiger; und kann Einer noch etwas aus ihm machen, so bist Du es, Herr Bruder.
Warum nicht, Herr Bruder? entgegnete der Hauptmann; das will ich Dir schon zu Gefallen thun. Aber ich muß im Nothfall die Fuchtel brauchen dürfen.
In Gottes Namen, erwiederte der Vater; brauche Sie nur recht oft! Er hat neun Häute; thu' Alles Dir Mögliche, ihm auch durch die letzte zu kommen.