Nicht öfter, sagte der alte Officier, als wenn er nicht pariren will. Von Gelehrsamkeit versteh' ich den Teufel; aber daß er früh aufstehn und sich an die Bücher setzen soll, will ich schon machen. Und kömmst Du wieder, und er ist nicht in seinem Anzug, wie aus dem Ei geschält, so ... gerade soll er mir auch gehn, wie eine Kerze.
Der Hauptmann erfüllte sein Versprechen. Kaum war Lisuart einige Monate in seinem Hause, als er in manchem Betracht sich gebessert hatte; aber doch nur ein wenig, und nicht in allen Stücken. Die Kleidung war sauber, stand ihm aber nicht gut; er ging gerade, doch steif, ohne Anmuth. Das Kinderspielzeug war verschwunden; Lisuart stand auch, in Rücksicht auf die schon einige Mal empfundenen Fuchtel, zeitig auf; doch an den Büchern wurde noch immer nicht viel gethan, ja, eigentlich noch weniger, als zuvor, wo er doch noch Gesichter mit langen Nasen hineingekritzelt hatte; was der Hauptmann nicht mehr zugab. Noch immer lauteten die Schulzeugnisse keineswegs rühmlich, und Lisuart saß noch in Quarta, obschon Manche, die jünger als er waren, sich in Tertia, ja in Secunda befanden.
Der Hauptmann nahm ihm einen Fechtmeister und einen Tanzmeister an, daß sie ihm ein sogenanntes air degagé beibringen sollten. Bei Jenem machte Lisuart einige Fortschritte, zum Tanzen hingegen hatte er so wenig Lust als Geschicklichkeit.
So kam sein achtzehntes Jahr heran, und auch der Winter, für den sein neuer Mentor in eine Gesellschaft trat, die sich wöchentlich zu einem Ball versammelte. Es geschah meistens um Lisuarts willen, der, wie Jener sagte, hier noch mehr den Bauer ablegen, und feinere Lebensart bekommen sollte.
Doch es hinkte auch da genug. Er sollte eine Dame zum Tanz auffordern, weigerte sich aber aus Blödigkeit. Nur angedrohte Fuchtel konnten ihn endlich bestimmen. Nun tanzte er freilich, indeß mit so krummen Knieen und so verwirrt, daß man über ihn lachte. Beim Essen stopfte er dagegen so viel Kuchen und Obst in sich, daß man mit Fingern auf ihn wies. Der Hauptmann ärgerte sich sehr, und fuchtelte ihn noch um Mitternacht, als man wieder zu Hause war.
Auf dem nächsten Ball zeigte er etwas mehr Geschick beim Tanz, und etwas weniger Naschgier an der Tafel; aber ganz unausgelacht kam er doch nicht davon. Sie sollten sich schämen, sagte der Hauptmann daheim; so ein hübscher junger Mensch, und beträgt sich – hol mich der ...! – so ungehobelt wie – nun, ich mag's nicht sagen.
Dies Mal war Lisuart doch so dreist, daß er sagte: Wenn aber Jemand so viel flucht, Herr Hauptmann, ist das gehobelt oder ungehobelt?
Was? rief Jener, der junge Patron will noch auf mich sticheln? Das leid' ich, Gott straf mich, nicht! Ich vertrete Vatersstelle bei ihm, und habe Autorität.
Um diese Autorität abermal thätig zu beweisen, zog er vom Leder; dies Mal aber, anstatt einer gewichtigen Klinge, eine leichte, beräucherte Gänsefeder, welche Lisuart aus einem Flederwisch gezogen und mit der Klinge vertauscht hatte. Es war das erste Mal, daß er dem Hauptmann einen Streich zu spielen wagte.
Dieser rief: Wer hat das gethan?