Sonderbar übrigens, daß noch keins von Beiden des Anderen Namen wußte, und auch den Muth nicht hatte, danach zu fragen. Lisuart bediente sich nur der Anrede: meine Gnädige; und Luise war genöthigt, alle Anrede zu vermeiden. Der Hauptmann saß am Spieltisch, und kam dies Mal nicht zu ihnen.
Luisens Mutter begegnete dem jungen Menschen darum freundlich, weil er sich immer zu ihr hielt; es war ihr ja daran gelegen, daß Luise, die bisher auf dem stillen Lande erzogen war, sich in der Welt darstellen lernen sollte. Und außer Lisuart kümmerte sich Niemand eben um Luisen; das noch halb kindische Fräulein war den jungen Herren von Ton zu unbedeutend, und auch in D*** nur wenig bekannt.
Heute kam das Gespräch unter andern auf die Tonkunst. Lisuart erfuhr, das Fräulein habe auch darin Unterricht gehabt; und nach ihren Aeußerungen mußte sie viel größere Fortschritte darin gemacht haben, als er. Um so schöner und vortrefflicher schien ihm nun die Musik.
Er brachte den Rest der Nacht abermal am Klaviere hin, und mit noch höher gesteigerten Empfindungen. Heute fand er in seinem alten Opernbuch eine Romanze des Inhalts:
Es war einmal ein Königssohn,
Ein Wüthrich, den die Menschen flohn.
Nicht bänger fliehn die Kinder,
Wenn Ruprecht kömmt, und nicht geschwinder.
Der Vater weinte bitterlich,
Und sprach vergebens: bessre Dich!