Reich Deine Hand als Bräut'gam mir,
Mein liebstes Gut auf Erden,
Und ich verspreche Dir dafür,
Nie ungetreu zu werden.
Er konnte nicht aufhören, die einfache Melodie zu wiederholen und die einfachen Worte dabei zu lesen. Ihm war, als sänge das Luise – zu ihm; und sterben hätte er mögen vor Entzücken über diese Vorstellung. Er beklagte nur, daß nicht Dariolette jenen Namen hatte. Bis an den hellen Morgen konnte er sich nicht von der süßen Beschäftigung losreißen.
Und nun brachte er auch eine ganz veränderte Stimmung mit in die Schule. Die Wissenschaften hatten ihm eine höhere Bedeutung gewonnen; er meinte: was ihn so lange angeekelt habe, könne wohl hohes Vergnügen gewähren. Zum ersten Male schämte er sich, immerfort getadelt worden und gegen Andere zurückgeblieben zu seyn; es erwachte in ihm Ehrgeitz, das Verlangen, seinen Mitschülern gleich, ja zuvor zu kommen, und er dachte nun auch, das könne so schwer nicht seyn.
Die ganze Woche hindurch zeigte er ungemeinen Fleiß, sowohl in den Lehrstunden, als zu Hause, und fragte den Quintus um vielerlei, der sich auch bereitwillig zeigte, ihm durch Winke und guten Rath fortzuhelfen. Schon am Ende dieser Woche wurde er in eine höhere Klasse versetzt. Hierzu trugen die Empfehlungen des Quintus das Meiste bei; dieser hatte nehmlich dem Rektor versichert: Lisuarts Genie fange nun an, sich zu entwickeln.
Gerade an diesem Tage führte ihn sein Mentor wieder auf den Ball. Lisuart hatte sich recht sorgfältig und nett gekleidet, und war viel weniger verlegen, als zeither; einige ältliche Damen, die müßig auf ihren Stühlen die Versammlung musterten, machten die Bemerkung: der Lisuart staffire sich recht gut heraus, und werde ein ganz hübscher Mensch.
Schon die heutige Versetzung in eine höhere Klasse hatte dem jungen Menschen mehr Muth gegeben; dazu kam aber noch, daß der Hauptmann ihn, theils darüber, theils auch über seinen heutigen Anzug und sein verbessertes Betragen gelobt hatte. Lob über ein gewisses Verdienst pflegt dies Verdienst zu erhöhn, namentlich in jüngeren Lebensjahren.
Aus dieser Ursache trat er nicht mehr so scheu vor Luisen, nach der er sich die ganze Woche hindurch gesehnt hatte. Auch Luise war weniger betreten, und daneben vortheilhafter, als neulich, gekleidet. Beide tanzten und sprachen heute mehr mit einander, als vor acht Tagen, und menschenkundigen Beobachtern hätte es nicht entgehn können, daß Beide sich sehr glücklich fühlten, und daß sich in ihren Herzen die ersten Spuren der Liebe zeigten.