Sie reichen sich die frohe Hand.
Noch jetzt hört man im ganzen Land,
Vom Prinzen und der Schönen,
Ein Lob von allen Lippen tönen.
Diese Verse setzten unsern Lisuart in Erstaunen, und gaben ihm noch Deutungen, Aufschlüsse über sein Innres. Ja, so konnte des Herzens Drang erwachen und des Wissens Lust; o, wäre der Alte da gewesen! Doch sah der junge Mensch wohl ein, daß davon bei einem Tertianer die Rede noch nicht seyn könne; aber, dachte er, einst, einst!
Wußte er doch nun ganz klar, daß er Luisen liebte, und seine Liebe sollte eine ganze Ewigkeit dauern, keine Minute weniger.
Verdoppelter Fleiß in der Schule und zu Hause, stets mit wachsendem Vergnügen begleitet, war die Folge seiner erwachten Gefühle. Auch der Conrektor und Subrektor lobten ihn nun; denn von einem Kornrektor und Suppenrektor ließ er nichts mehr hören, sondern zeichnete sich nur durch Wißbegierde aus, so wie durch leicht erworbene Kenntnisse und einen Scharfsinn, der oft in Verwunderung setzte. Der Subrektor selbst gab ihm das Lob: er habe jetzt zuweilen ächt witzige Einfälle.
Ihm fiel aber auch ein, daß seine Kleidung ziemlich abgetragen, und gar nicht recht nach dem Schnitt gemacht sei, wie andere junge Edelleute in D*** sie trugen. Er bat den Hauptmann, ihm eine andere machen zu lassen. Das thue ich von Herzen gern, bekam er zur Antwort; ist doch noch Geld da, und mein Herr Bruder wird nicht geitzen, wenn er nur sieht, daß aus dem Sohn ein Kerl wird.
Lisuart trieb, daß die neue Kleidung zum nächsten Ball fertig werden sollte. Als er darin vor den Spiegel trat, hatte er selbst einen kleinen Anfall von närrischer Eitelkeit; denn er fand, was er bis jetzt nie gefunden hatte, nehmlich, daß er doch ein ganz hübscher Mensch sei.
Luise mußte das auch wohl finden; denn sie wurde, als sie ihn zuerst erblickte, röther, und war hernach freundlicher, als zuvor. Sie schien ihm aber auch heute bei Weitem reitzender; vielleicht, weil er, bei erhöhtem Selbstgefühl, besonnenern Muth gewonnen hatte, sie mehr als flüchtig anzusehn. Heute forderte Lisuart das Fräulein so oft zum Tanz auf, daß die Mutter besorgte, es könnte Aufsehn erregen, und daß sie Luisen befahl, die Aufforderungen nun abzulehnen. Sie vermied auch seine Nähe bei Tische, worüber denn Lisuart sich recht sehr betrübte.