»Richtig! Aber!« fiel Sidonie ein. »Aber deine Mutter meinst du. Ja freilich, das ist kein Spaß. Wenn sie es erfährt, wird es einen harten Kampf geben.«

»Es erfährt? Sie weiß es längst,« meinte Richilde.

»Wieso? Hast du es ihr gesagt?«

»Ich nicht; aber der abscheuliche Sterngucker, der mit seiner krummen Habichtsnase in allen Geheimnissen herumschnüffelt, der, der wird es ihr verraten haben,« eiferte Richilde.

Sidonie mußte über den drolligen Zornerguß ihrer blonden Freundin lachen, suchte sie aber dann zu beruhigen und sagte: »Mache dir zu den unabweislichen Sorgen nicht noch überflüssige. Deine Mutter weiß noch nichts, sonst hätte sie dich schon darüber zur Rede gestellt. Oder hat sie das getan?«

»Nein; aber siehst du denn nicht, wie unleidlich sie mich seitdem behandelt? Nichts kann ich ihr mehr recht machen, immer hat sie etwas an mir auszusetzen; es ist zum Davonlaufen!«

»Lieber Gott!« erwiderte Sidonie, »sie ist manchmal etwas verstimmt, und dann kriegen wir alle etwas ab von ihr, du nicht allein. Aber zum Davonlaufen ist es noch lange nicht und wird sich noch ganz anders zeigen, wenn sie erst einmal dahinterkommt, daß du einen Landschaden liebst und ein Landschaden dich zur Frau begehrt. So leicht gibt sie das nicht zu.«

»O niemals! niemals!« jammerte Richilde und seufzte zum Steinerweichen.

»Das nächste, nötigste, einzigste ist, daß deine Mutter ihren Frieden mit den Landschaden macht,« erklärte Sidonie nun. »Ist das geschehen, so ist alles andere Kinderspiel, und es gibt eine Hochzeit im Neckartale, wie wir so lustig noch keine gehabt haben. Hie Landschad! hie Kollenberg! und alles ein Herz und eine Seele!« jubelte sie.