»Es war in ehrlicher Fehde, und Zeisolf hatte uns abgesagt, nicht wir ihm,« erwiderte Bligger mit einem strafenden Blick, den Sidonie ruhig aushielt. »Frau Juliane stößt sich an dem Wildbann,« fuhr er fort. »Den begehren wir als Entschädigung dafür, daß wir in den drei Jahren keine Zinsen von der Schuld empfangen haben.«
»Keine Zinsen!« wiederholte Sidonie, »Ohm Bligger, für wieviel Gulden habt ihr Holz in den drei Jahren aus dem Walde geschlagen? Ich glaube, ihr habt für dieses Holz allein mehr Neckarzoll unter dem Dilsberge bezahlt, als die Zinsen für die Pfandsumme betragen.«
»Kreuzhagel –«, doch er mußte lachen und sagte: »Mädchen, du könntest Magister in Heidelberg werden! Wenn ich einmal einen Rechtshandel bekomme, werde ich dich zu meinem Sachwalter bestellen.«
»Dann werde ich deine Sache so warm führen, lieber Ohm, wie ich jetzt für Julianen eintrete,« erwiderte Sidonie. »Du kannst ihr doch nicht verdenken, daß sie die freie Herrin auf ihrem Eigen sein will. Wie würde es dir gefallen, wenn du in deinen Forsten nicht pirschen und jagen dürftest, sondern ein anderer hätte das Recht und könnte dich fahen und pfänden, wenn du dich mit der Armbrust darin betreten ließest! Laß diese harte Bedingung fallen, und alles ist klipp und klar; ich selber stifte Frieden und Freundschaft zwischen euch und Juliane. Hier meine Hand! schlag' ein, Ohm Bligger!«
Sie streckte ihm die Hand entgegen und sah ihn mit bittenden Augen an.
»Schlag' ein, Bligger!« sagte Hans.
Konrad und Katharina schwiegen, so sehr sie auch des lieben Friedens wegen wünschten, daß Bligger nachgeben möchte. Aber sie sahen ebensogut wie dieser ein, daß, wenn er zustimmte, der Vergleich geschlossen war, und Hans dann keine Gelegenheit mehr hatte, mit Julianen noch länger zu unterhandeln. Das war es aber gerade, worauf es dem Zögernden ankam.
Ernst, der von Bliggers versteckten Zielen so wenig etwas ahnte wie Hans, hielt den Atem an vor Erwartung, was sein Vater jetzt tun würde.
Und Bligger schlug nicht in Sidoniens Hand. »Nein!« sprach er, »so Knall und Fall kann ich mich nicht entscheiden; ich muß mir's eine Nacht beschlafen.«