Ein Atemzug, bis in die Seele hinein und heraus voll Glück und Wonnegefühl, weitete Julianens Brust, als sie allein war. Ihr wankten die Knie, sie mußte sich stützen und schritt nun zu dem Kredenztisch, um sich daran zu lehnen. »Aus alter Liebe und jungem Haß wird neues Glück erblühen,« sprach sie vor sich hin. »Wenn es wahr würde, was die Sterne prophezeiten! – Kann er denn wirklich lieben, der Ritter Hagestolz, der Ehehasser?« Regungslos, gedankenvoll stand die schöne, tief erregte Frau, wie in Träumen lächelnd, in Hoffnungen sich wiegend. Da hörte sie draußen auf der Treppe wohlbekannte Stimmen, und schnell gefaßt sprang sie zu ihrem Erker und machte sich dort zu schaffen.

Die drei jungen Mädchen kamen herein, und siehe da! – die Rose, die vorher an Sidoniens Mieder gesteckt hatte, schmückte jetzt Richildens Brust. Juliane bemerkte das sofort, war aber zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt, um dem Grunde, warum die mitgebrachte Rose von einer Mädchenbrust zur anderen gewandert war, jetzt nachzuforschen. Auf ihrem Antlitz lag noch der Abglanz der Freude, die ihr die eben vergangene Stunde gebracht hatte, und sie war in der glücklichsten Stimmung. Sidonie erkannte das auf den ersten Blick. Ohm Hans hat seine Sache gut gemacht; sie sind einig, dachte die Schlaue.

»Nun wie ist's abgelaufen, Mutter?« frug Richilde.

»Gut! wir haben unsern Wald wieder, und ihr könnt nun darin jagen und pirschen, so viel ihr wollt,« gab Juliane fröhlich zur Antwort.

»O wie herrlich! o wie freue ich mich, daß dir dieser Wunsch endlich erfüllt ist!« rief Richilde.

»Ich auch,« sagte Juliane, »und nun will ich euch auch gestehen, daß mir der Sterndeuter dies schon aus meinem Horoskop prophezeit hatte. Von dem Walde wußte er nichts, aber er sagte, es würde mir bald ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung gehen.«

»Siehst du, Sidonie!« frohlockte nun Hiltrud, »du wolltest den Prophezeiungen des weisen Juden keinen Glauben schenken, und nun ist es doch richtig eingetroffen, was er Frau Juliane vorausgesagt hat. Junker Hans hat es wahr gemacht.«

»Drum war er auch so lustig, als er abritt,« sagte Richilde.

»Hm!« machte Sidonie nachdenklich und mit einem aufmerksamen Blick auf Juliane, »dann soll mich doch wundern, ob auch das in Erfüllung gehen wird, was Isaak Zachäus dem Ohm Hans aus seinem Horoskop prophezeit hat.«