»Ist's meine Schuld?«

»Nein, nein! ich weiß, ich hab's verdient, was Ihr mich fühlen ließet. Aber nun, – wollt Ihr mir verzeihen, Juliane? wollt Ihr mich wieder aufnehmen in Huld und Gnaden?« frug er, sich vom Sitze erhebend mit bittendem Blick und ihr die Hand entgegenhaltend.

»Von Herzen gern, lieber Freund!« gab sie ihm mit vollem, warmem Tone zur Antwort und reichte ihm ihre Hand, die er nicht wieder losließ.

»Ihr macht mich sehr glücklich, Juliane! sehr glücklich!« flüsterte er.

Sie schritten langsam Hand in Hand durch das große Gemach, aber nicht nach dem Ausgange, sondern er führte sie auf den Kredenztisch zu. Sie erriet seine Absicht, blieb auf halbem Wege stehen und sah ihn schalkhaft listig an. Da begegnete sie einem heißen, ihre ganze Gestalt umlohenden Blick und sah, wie seine breite Brust sich hob und senkte. Wie schön, wie heldenkühn erschien er ihr in diesem Augenblick! sie erglühte und zitterte vor dem starken Manne und wollte unwillkürlich einen Schritt vor ihm zurückweichen. Er aber umfaßte nun mit beiden Händen ihre Hand, drückte sie erst an seine Brust und dann an die Lippen und preßte sie so gewaltig, daß sie Juliane fast schmerzte. »Darf ich wiederkommen, Juliane?« frug er leise.

»So oft Ihr wollt!« hauchte sie mit schimmernden Augen zu ihm aufblickend.

»Dank! Dank! lebt wohl! auf Wiedersehen!«

»Auf baldig Wiedersehen, lieber Freund!«

Aber während des Scheidens noch hielten sie sich mit weit ausgestreckten Armen bei den Händen, als könnten sich diese so wenig voneinander trennen wie die strahlenden Augen, mit denen sie sich fröhlich zunickten. Dann riß er sich los und eilte schnell hinaus, beinahe so schnell wie damals vor drei Jahren.