»Wenn ich es ehrlich sagen soll,« erwiderte er zögernd, »auf Antrieb meines Bruders Bligger.«
»Auf Antrieb Eures Bruders!« wiederholte sie bitter enttäuscht; »also nicht aus eigenem. Ich danke Euch für Eure Ehrlichkeit, Junker Hans!«
Er wurde sehr verlegen und sah ein, welche ungeschickte, fast kränkende Antwort er ihr gegeben hatte. »Ich wollte nur sagen,« stotterte er, »daß von Bligger der Vorschlag ausging wegen des Waldes, aber ich bin gern gekommen, freilich das erstemal nicht, weil ich mich vor Euch fürchtete, aber heute, heute bin ich gern gekommen, weil ich dachte, Euch eine Freude zu machen mit dem Walde. Seht doch! mein bestes Zaumzeug hab' ich aufgelegt, das beste Wams meinem Rosse – nein, nein! umgekehrt!«
»Euer bestes Zaumzeug! wie gut Ihr seid!« lächelte sie. »Aber wenn Ihr es nicht sagtet,« fuhr sie fort, »so glaubt' ich es nicht, daß Eurem Bruder Bligger an dem Frieden mit mir etwas gelegen wäre; oder hat er seine besonderen Gründe, sich der Feindschaft gegen mich zu begeben? sagt mir auch das noch!«
»Ich wüßte keinen,« erwiderte Hans. »Ihr verkennt Bligger; er ist Euch nicht feindlich gesinnt und wünscht aufrichtig wie wir alle, mit Euch in Frieden zu leben.«
Sie dachte ein paar Sekunden lang nach und sah ihn prüfend an, ob er wohl in diesem Augenblick die volle Wahrheit spräche.
Dann sagte sie: »Gut! so werde ich kommen und den Frauen, Euren Schwägerinnen Katharina und Agnes, die Hand zur Versöhnung bieten.«
»Ihr werdet hochwillkommen sein,« erwiderte er. »Aber, Juliane, – wie stehen fortan wir beide miteinander? ist auch zwischen uns nun wieder Friede und Freundschaft?«
»Friede? Freundschaft?« sprach sie ihm langsam nach. »War denn Unfriede zwischen uns? wart Ihr mein Feind?«
»Niemals! niemals, Juliane!« beteuerte er. »Aber als ich neulich nach langer Zeit zum ersten Male wieder hier war, da schien es mir, als wären wir uns sehr – sehr fremd geworden.«