Sie führte ihn zum Erker, deutete auf die eine Bank darin und setzte sich selber auf die andere ihm gegenüber. Als sie beide so saßen und sich anblickten, zeichnete sich in Hansens Gesicht die gespannteste Erwartung, während Juliane vor innerer Erregung kaum Worte fand, um das auszusprechen, was ihr endlich einmal von der Seele herunter mußte.

»Hans Landschad,« begann sie endlich, »wißt Ihr noch, was vor drei Jahren einmal hier im Gemache – dort an dem Kredenztische war es – zwischen zwei Menschen geschah, die, wie es damals schien, einander lieb hatten?«

»Ich weiß es noch, Juliane,« erwiderte er höchst betroffen von dieser Einleitung des Gespräches. »In den Armen lagen sich zwei, die in dem Augenblick vergessen hatten, was sie einem Dritten schuldig waren.«

»Ja, so war es,« sagte sie; »doch sie besannen sich noch zur rechten Zeit darauf und trennten sich. Ihr stürmtet hinaus, und als ich zur Besinnung kam, dankte ich es Euch im stillen. Aber jetzt frage ich Euch: warum kamt Ihr niemals wieder?«

»Ich wollte nicht zum Verräter werden an jenem Dritten.«

»Ihr beschämt mich mit dieser Antwort,« sprach sie errötend. »Aber warum kamt Ihr auch dann nicht wieder, als Ihr jenen Dritten nicht mehr verraten konntet?«

»Weil ich glaubte, Ihr haßtet mich wie uns alle.«

»Euch hab' ich nie gehaßt!« erwiderte sie mit bewegter Stimme und einem innigen Blick.

»Juliane!!« rief er aufspringend.

»Bleibt sitzen!« sagte sie schnell und streckte wie abwehrend die Hand gegen ihn vor, »ich habe noch eine dritte Frage. Warum kommt Ihr jetzt wieder? warum bringt Ihr mir meinen Wald ohne Lösegeld zurück? warum sucht Ihr jetzt Frieden und Freundschaft mit mir, die Ihr doch drei Jahre lang entbehren konntet?«