Da wallte es heiß in ihm auf. Die Stirnader schwoll ihm; hastig ergriff er den Brief, und ihn mit beiden Fäusten vor sich haltend rief er, dunkelrot im Gesicht, mit lauter Stimme: »Frau Juliane! in tausend Fetzen zerreiße ich den Brief und werfe sie Euch vor die Füße, wenn Ihr noch ein Wort von Zahlen oder Schenken sprecht! Ich bin hergekommen in der Freude meines Herzens, Euch den Wald wiederzubringen, wonach ich lange getrachtet habe, und mein Arm, mein Schwert und mein Blut stehen Euch zu Diensten in jedem Augenblick, da Ihr sie fordert, aber verflucht der Pfennig, der aus Eurer Hand in meine geht! Da!« – er donnerte den Brief auf den Tisch – »da liegt das Gekritzel! ich nehme nichts mit; schickt's, wenn Ihr's nicht lassen könnt, aber einen Landschaden seht Ihr auf Eurer Burg dann niemals wieder!« Er bebte am ganzen Leibe und stand wie ein gereizter Löwe, die blonde Mähne schüttelnd und mit zornsprühenden Augen.
So hatte ihn Juliane nie gesehen. Während es in ihr wogte und stürmte, schaute sie ihn gedankenvoll prüfend an, als wollte sie bis auf den Grund seiner Seele blicken. Dann sprach sie: »Junker Hans, vor einiger Zeit war ein Jude hier, der mir aus den Sternen wahrsagte, daß mir binnen kurzem ein lange gehegter Wunsch in Erfüllung gehen würde. Die Prophezeiung trifft nun ein. Ihr bringt mir den Wald zurück, und –«
»Und Ihr nehmt ihn, wie ich ihn biete?« frug er freudig bewegt, ihr beide Hände entgegenstreckend.
»Ja!« sagte sie fest.
Sie hielten sich an beiden Händen erfaßt und sahen einander tief in die Augen. Auf seiner wie auf ihrer Lippe schwebte ein Wort, vielleicht ein Schrei, der sich aus ihren Herzen emporrang, aber – die Lippen blieben stumm. Hätte einer von ihnen einen Laut nur von sich gegeben, sie wären sich Brust an Brust gesunken. Jeder erwartete vom andern etwas, das nicht geschah, und der entscheidende Augenblick ging ohne Schicksalsspruch vorüber.
Die Hände lösten sich. Juliane wandte sich mit einem unterdrückten Seufzer ab und verschloß den Schrein wieder. Ihr war, als schlösse sie ihr Herz zu.
»Lebt wohl!« sprach er dumpf und ging zur Tür.
Sie nickte stumm aber rührte sich nicht.
An der Tür kehrte er sich noch einmal nach ihr um, sah sie mit einem hoffnungslos traurigen Blick an, und wie ein Scheidegruß auf ewig kam es ihm aus eingeschnürter Kehle: »Lebt wohl, Juliane!«
Da hielt sie sich nicht länger; sie lief fast auf ihn zu, packte ihn an der Hand und rief: »Bleibt! – ich habe mit Euch zu reden.«