Ernst schüttelte den Kopf und sprach: »Ohm Hans, du überzeugst mich nicht, und – nichts für ungut! – deine gräulichen Schilderungen, die mich abschrecken sollen, sind nichts, als Zerrbilder und Gespenster, die nur in deinem schnurrigen Junggesellenkopfe spuken.«

»So!« sagte Hans. »Nun, so will ich dir ein Gespenst heraufbeschwören, das du mit deinen eigenen Augen am hellen, lichten Tage sehen kannst, ein Ungeheuer in Weibesgestalt, in das sich oft genug der leibhaftige Teufel versteckt, um die Männer bis auf das Blut zu quälen. Die entsetzlichste Zugabe zu einer Ehe, der Würgengel des Friedens im Hause, die schlimmste Kreatur, die Gott im Zorne geschaffen hat, ist – eine Schwiegermutter. Ernst, Ernst, du weißt nicht, was eine Schwiegermutter ist! Aller Ärger, alle großen und kleinen Verdrießlichkeiten und Unbequemlichkeiten, die dir eine Frau unvermeidlich verursacht, sind nichts gegen die unendlichen und unbeschreiblichen Plagen und Widerwärtigkeiten, die dir Tag für Tag und Stunde für Stunde eine Schwiegermutter bereitet, und das mit Lust bereitet und mit unerschöpflicher Erfindungsgabe, als wäre es ihr Lebensberuf und der einzige Zweck ihres Daseins. Sie hetzt deine Frau gegen dich auf und nimmt sie gegen dich in Schutz, auch wenn es gar nicht nötig ist; sie bricht den Streit vom Zaune und läßt dich nicht zu Worte kommen; sie greift dich an mit allen Waffen, hat Gift und Galle oder Seufzer und Tränen gegen dich bereit und nennt dich ihren Mörder. Sie kennt alle deine wunden Stellen, und wenn du keine hast, so bringt sie dir welche bei, sieht und benutzt jede kleine Blöße deiner Deckung, und wenn du mit einem noch so starken Harnisch von Geduld und Gleichmut gepanzert wärest, der Stachel ihrer unbesiegbaren Zunge geht durch das dickste Fell. Um sie dreht sich die ganze Wirtschaft, sie befiehlt und verbietet, sie verlangt die unglaublichsten Rücksichten und nimmt selber nicht die geringste, wenigstens nicht auf dich, der du nur der gnädig Geduldete in deinen eigenen Mauern bist, der unverbesserliche, verstockte Sünder, der das Glück, eine solche Frau und besonders eine solche Schwiegermutter zu besitzen, nicht zu würdigen weiß und noch viel weniger verdient.«

Ernst hatte die halb grimmige, halb launige Verdammungsrede seines Oheims fortwährend mit einem herzlichen Lachen begleitet, und als dieser jetzt einmal innehielt, um Atem zu schöpfen, sprach er: »Du übertreibst, Ohm Hans. Ich habe doch schon sagen hören, daß die Mutter der Frau, wenn sie wollte, auch die Stütze des Mannes sein könnte, die darauf achtet und ihre Tochter dazu anhält, daß der Mann zu seinem Rechte kommt und es ist ihm an nichts im Hause fehlt, die erfahrene Freundin, die stets liebevoll, stets heiter und hilfreich mit Rat und Tat alles zum Besten lenkt, die, mit einem Worte, für beide Eheleute der gute Engel ist.«

»Es soll deren hie und da schon auf Erden gegeben haben und vielleicht noch geben,« räumte Hans widerwillig ein. »Aber wie selten ist solch ein Engel, solch eine Perle von Schwiegermutter! unter tausenden, unter zehntausenden findest du nicht eine solche. Laß dich bekehren, Ernst! und glaube mir: eine Schwiegermutter ist der böse Dämon der Ehe. Sie verfeindet dir deine Frau, verzieht deine Kinder, beleidigt deine Freunde, verklatscht deine Knechte und Mägde, mißhandelt deine Hunde und verfolgt dich mit ihrem Hasse bis zu ihrem oder bis zu deinem letzten Atemzuge; es kommt nur darauf an, wer von euch beiden es am längsten aushält.«

Ernst sann ein Weilchen nach; dann sprach er: »Sage mal, Ohm Hans, glaubst du, daß das alles auch für die von mir ersehnte Schwiegermutter, Frau Juliane Rüdt von Kollenberg, zutrifft?«

Auf diese verfängliche Frage blickte Hans seinen Neffen etwas verdutzt an und wußte nicht gleich, was er darauf erwidern sollte. »Ich will dir etwas sagen, mein Junge!« lächelte er dann. »Frau Juliane ist meine liebe, gute Freundin, aber – ob ich sie zur Schwiegermutter haben möchte … Bedenke auch: wenn du ihre Tochter heiratest, so werdet ihr auf der Minneburg hausen, das heißt, du wohnst dann bei deiner Schwiegermutter. Glaubst du dann etwa den Burgherrn spielen zu können? mit nichten! sie wird sich stets als die Herrin betrachten und wird dich das deutlich genug fühlen lassen. Du wirst unter ihrer Hoheit ein Leben führen, als hättest du nicht eine einfache, sondern gleich eine doppelte Schwiegermutter mitgeheiratet, eine, die in deiner Ehe gebietet, und eine, die in der Burg und über Land und Leute herrscht. Dazu kommt, daß Juliane sehr schön ist, schöner als ihre Tochter jemals werden wird –«

»Oho!«

»Oho? Willst du etwa bestreiten, daß Juliane schöner ist als Richilde?«

»Das bestreite ich ganz entschieden!«

»Dann hast du keine Augen im Kopf oder willst nicht sehen, was klar ist wie der Tag,« sagte Hans erregt.