»Damit ist es aber aus, ein für allemal rein aus, wenn man eine Frau am Halse hat,« eiferte Hans. »Ich bin hier Herr in meiner Burg, und niemand hat hier zu befehlen, als ich allein. Ich kann aufstehen, wann ich will, und kann so lange schlafen, wie es mir behagt, kann zu Mittag essen, wann ich Lust habe, niemand wartet auf mich; ich komme nie zu spät; ich muß nicht reden, wenn ich lieber schweigen möchte, ich muß nicht mitgehen, wo ich lieber wegbliebe. Ich kann trinken, so lange ich Durst habe, kann mir zu Gaste laden, wen ich bewirten will, kann die Nacht zum Tage machen und kann hier alles zu unterst und zu oberst kehren, wenn es mir Spaß macht. Das alles können die unglücklichen Ehemänner nicht, denn sie sind nichts, als die Vasallen ihrer Weiber.«

»Ohm Hans, so sprichst du, weil du das Glück der Liebe nicht kennst,« hielt ihm Ernst entgegen.

»Ich spreche nicht vom Glück der Liebe, ich spreche vom Unglück, von der unerträglichen Pein und den tausend Schrecken der Ehe,« sagte Hans. »Ernst, laß dich warnen, ehe es zu spät ist! Steckst du erst einmal darin in dem Elend, so ziehen dich keine zehn Pferde wieder heraus. Du darfst nicht mehr nach deinem Willen leben, sondern nach dem Willen deiner Frau und nach Zeit und Stunde, die sie dir bestimmt. Sie sagt es dir, wann du Hunger und Durst haben und wann du schlafen sollst, aber schnarchen darfst du auch nicht, mußt dich überhaupt fügen und in allen Stücken nach ihr richten, wie sie es von dir zu verlangen gerade die Laune hat; und wer kann Weiberlaunen zählen? wer sie berechnen? wer sie befriedigen? Du mußt sinnen, womit du deine Frau freundlich stimmst und versöhnst, wenn sie schmollt, und sie schmollt immer. Glaubst du, daß du ihr jemals etwas recht machst? niemals! sie ist viel klüger als du, tut wenigstens so, weiß alles besser als du, widerspricht dir, tadelt und schilt dich; du wirst deines Lebens nicht froh und hast keine ruhige Stunde mehr. Und dann das Kleinkindergeschrei und was da alles noch so drum und dran hängt! O du mein Saitenspiel! Weiber und kleine Kinder! Ernst, das ist über alle Maßen schauderhaft!«

Ernst mußte ihm ins Gesicht lachen: »Als wenn du jemals mit kleinen Kindern etwas zu tun gehabt hättest!«

»Das fehlte auch noch!« rief Hans entrüstet, »ich habe schon an dem genug, was ich bei anderen Leuten davon gesehen habe, und kann's bezeugen, was du deinen Eltern für Not gemacht hast. Du glaubst nicht, was für ein widerliches kleines Scheusal du warst, gräßlich, ganz gräßlich, sag' ich dir! Und so bin ich natürlich auch einmal gewesen, das bestreite ich gar nicht. Aber das selber durchmachen zu sollen, mich mit solchen Jammerwürmern befassen zu müssen, in meinen vier Wänden kleine Kinder quäken zu hören – grauenerregend! bei dem bloßen Gedanken daran überläuft mich eine Gänsehaut. Siehst du, das ist Eheglück, Ernst! Das steht dir bevor, wenn du die Torheit begehst, dir eine Frau anzuschaffen.«

»Ihre treue Liebe würde mich auch für größeres Ungemach reichlich entschädigen,« erwiderte Ernst, begeistert von den Gefühlen seines jungen Herzens.

»Aha! ihre treue Liebe!« spottete Hans. »Ja, ja, ein paar Jahre geht's vielleicht ganz gut; da wollt ihr euch vor Liebe auffressen. Dann kommt einmal einer, der ihr besser gefällt als du und schwub! ist es aus mit der lieben Treue. Sie betrügt dich, sie betrügt dich, Ernst!«

»Ohm Hans!« fuhr Ernst zornig auf, »wie kannst du so schlecht von den Frauen denken!«

»Nun, nun, es tun's vielleicht nicht alle,« erwiderte Hans; »es gibt Ausnahmen. Aber sicher bist du nicht, durchaus nicht. Es gibt nur ein Mittel, sich davor zu schützen: wenn man's so macht wie ich; mich betrügt keine!« fügte er lachend hinzu und rieb sich vergnügt die Hände.