Sie waren beide aufgesprungen und standen sich mit funkelnden Augen gegenüber. Plötzlich brach der ältere in ein ihm von Herzen kommendes, schallendes Gelächter aus, legte schwer und wuchtig eine Hand auf die Schulter des jüngeren und sprach: »Was sind wir doch für Narren, daß wir uns darüber zanken, ob Mutter oder Tochter die Schönste ist! Geh jetzt, denke darüber nach, was ich dir gesagt habe, und schlage dir das Heiraten aus dem Sinn!«

Darauf reichten sich beide die Hände, und Ernst verließ das Gemach.

Das war der erste Streit, den Oheim und Neffe miteinander gehabt hatten. Sie schieden zwar versöhnt, aber jeder verschwieg nun dem andern etwas, was er ihm zu sagen sich vorgenommen hatte: Hans seinen Zweikampf mit Bödigheim, und Ernst sein Stelldichein mit Richilde. Und beides sollte morgen fast um dieselbe Stunde stattfinden. Verstimmt ging Ernst seines Weges und nahm sich vor, den hagestolzen Oheim in seiner Herzensangelegenheit nicht weiter zu Rate zu ziehen, sondern rasch und entschlossen auf eigene Faust zu handeln. Wer so von den Frauen, von der Liebe und Ehe dachte, von dem konnte ein Liebender nimmermehr Hilfe und Beistand zur Förderung seines Glückes erwarten.


Siebzehntes Kapitel.

Auf dem Rasen im Schatten der mächtigen Buche, aus deren Zweigen Richilde den Reiher geschossen und Ernst dann Sidonien befreit hatte, und die deshalb von den vier Teilnehmern an jenem lustigen Abenteuer fortan die Reiherbuche genannt wurde, saßen an dem zu der Zusammenkunft vorausbestimmten Vormittage wieder dieselben vier wie damals: Junker Ernst Landschad und die drei Fräulein von der Minneburg.

Aus den Gesichtern aller sprach helle Freude. Zwei von ihnen aber strahlten förmlich von Glück und Seligkeit, und wenn sich ihre Blicke begegneten, was sehr oft geschah, so flog hinüber und herüber ein lächelnder Gruß unaussprechlicher Liebe.

Diese zwei waren Ernst und Richilde, deren junge Herzen sich hier zur Stunde nach kurzem, heimlichem Zwiegespräch gefunden hatten mit der hoffenden Frage und der beglückenden Antwort, die überall auf dem bewohnten Erdenrund, solange Menschen darauf leben, in tausend Sprachen erklingen und Mann und Weib in Liebe zueinander führen.

Nun saßen sie beide Hand in Hand hier nebeneinander, den Freundinnen Hiltrud und Sidonie gegenüber und mit diesen in wichtiger Beratung über das, was nun, nach dem soeben stattgehabten Verlöbnis, zunächst zu tun sei.