Das war nun freilich leichter gesagt als getan, und sie blickte ihn ängstlich an.

»Nur Mut! stütze Dich auf meine Schulter; ich umfasse dich und lasse dich ganz gewiß nicht herunter fallen, wenigstens nicht allein,« sprach der durchtriebene Schelm.

Mit der einen Hand sich auf seine Schulter stützen, mit der andern sich am Baume festhalten; wie nun die Kleider züchtig zusammenfassen? dazu hatte sie keine dritte Hand verfügbar. Aber was half's? sie mußte es eben machen, wie sie nicht anders konnte, und endlich saß sie, purpurrot im Antlitz, neben ihm und suchte ihre verschobenen Kleider so gut wie möglich zu ordnen.

»So! das ging ja; aber still sitzen mußt du!« rief er, »das Rutschen und Hüpfen und Lüpfen kann der Ast doch am Ende nicht vertragen; ich glaube, er knackt schon.«

»Um Gott!« schrie sie auf, »er wird doch nicht brechen?«

»Ich hoffe nicht,« sprach er ruhig, sie fester an sich drückend, als eigentlich nötig war. »Jetzt wollen wir überlegen, wie wir glücklich auf den nächsten Zweig unter uns kommen.«

»Du bleibst hier sitzen,« meinte sie, »und läßt mich langsam hinab, bis ich Fuß fassen kann.«

»Nein, so geht es nicht,« erwiderte er. »Du bist viel zu schwer, als daß ich dich im Sitzen hinablassen könnte; wie soll ich denn uns beide halten im freien Schweben? Ich muß vorangehen, und du gleitest in meinem Arme langsam an mir herunter.«

»Wirst du mich auch nicht fallen lassen?«

»Unbesorgt! ich halte dich sehr fest!«