»Des Junkers Hans? ist das auch wahr?« kam es aus dem Dunkel zurück.

»Auf Ehr' und Seligkeit!« erwiderte Sidonie.

»Und morgen kommt er selber,« fügte Ernst nachdrücklich hinzu.

»Etwa auch verirrt?« frug der Mönch spöttisch. »Aber das ist ein ander Ding; das hättet ihr gleich sagen sollen; für Junker Hans tun wir alles. Wartet! ich komme.«

Die drei außerhalb der Mauern atmeten erlöst auf. Also der Name des allbeliebten Junkers allein bewirkte, daß sich das Tor ihnen nun bereitwillig öffnete, was sie als einen erfreulichen Beweis von Hansens großem Ansehen und bedeutendem Einfluß im Kloster auffaßten.

»Gott segne euren Eingang!« sprach der Pförtner, als sie über die Schwelle ritten. Darauf weckte er erst einen dienenden Laienbruder, der ihnen die Pferde abnahm und in den geräumigen Klosterstall brachte, und dann den Bruder Schaffner, dem er mit Nennung von Ernsts Namen die Ankunft Verirrter meldete.

Der Schaffner machte auch mit Unterbringung derselben keine langen Umstände, sondern wies ihnen drei gastbereite Zellen an, in deren jeder ein Bett nebst Tisch und Schemel stand und eine neue schwarze Mönchskutte hing. Dann wünschte er ihnen mit dem Zeichen des Kreuzes eine geruhsame Nacht und verschwand. Der Schlaf des Abtes und der übrigen Mönche war durch die Aufnahme der Gäste nicht gestört worden.

So waren die Flüchtlinge nun endlich sicher geborgen. Als sie aber in den Betten lagen, von fremden, schmucklos kahlen Wänden umgeben, die in dem matten Dämmerschein des sich allmählich verbreitenden Mondlichtes mehr und mehr aus dem Dunkel hervortraten, da tauchte ihnen gleichsam mit der wachsenden Helle auch das immer deutlicher werdende Bewußtsein dessen auf, was sie getan hatten.