Aber der Vorsichtige, der in solchen Fällen wohl schon böse Erfahrungen gemacht haben mußte, war durchaus nicht geneigt, dem Begehren zu willfahren, denn er vermutete in den Störern seiner Ruhe schweifendes Gesindel, von dem er sich nichts Gutes für das Kloster versah. »Bei Nacht wird nicht geöffnet!« rief er aus der kleinen vergitterten Fensterluke neben der Pforte und schlug den Laden wieder zu.
Die Mädchen wurden von der entschiedenen Abweisung äußerst peinlich berührt. Richilde wünschte sich in diesem Augenblick auf die hochumwallte Minneburg zurück, und selbst Sidonien ward es nicht recht geheuer, bei der Aussicht, die Nacht im Freien, in dem unsicheren Walde zubringen zu sollen. Die Rosse scharrten mit den Hufen; auch sie sehnten sich unter Dach und Fach.
Ernst jedoch pochte und rasselte mit dem Griffe seines Schwertes wieder so lange an dem Eisengitter, bis sich der Pförtner noch einmal heran bequemte. »Laßt uns ein, Bruder Pförtner!« sprach er ungeduldig; »wir sind Verirrte, denen Ihr doch ein Obdach für die Nacht nicht verweigern werdet.«
»Jawohl! so heißt es immer,« entgegnete der andere mißtrauisch, »das kennt man schon. Bleibt nur draußen und legt euch wieder in das Bett, in dem ihr die vorige und vielleicht schon manche Nacht geschlafen habt. Auf Laub und Nadelstreu, Sattel unterm Kopf, ruht sich's gar wonnesam.«
»Behaltet Eure Weisheit und öffnet! oder es soll Euch übel ergehen,« drohte Ernst nun zornig. »Ich bin ein Landschad!«
»Die Landschaden verirren sich nicht,« lachte der Schließer. »Denen sind die Wege und Stege so gut bekannt, wie sie selber im Lande bekannt sind.«
»Du störrischer Pfaff!« rief Ernst, »wenn ich dich –«
»Ruhig, Ernst!« mischte sich Sidonie jetzt ein, »mit Gewalt richten wir nichts aus; wir müssen uns auf's Bitten legen.«
»Was? auch Frauenzimmer dabei?« brummte der innen.
»Laßt uns um Gotteswillen ein, ehrwürdiger Bruder!« fuhr Sidonie mit bittendem Tone fort. »Wir sind nur unserer drei, zwei wohlgeborene Fräulein und ein junger Edeling, Verwandte des hochachtbaren Junkers Hans Landschad von Steinach, den Ihr wohl kennen werdet.«