»Aber Bligger!«

»Es ist so, Käthe! Verlaß dich drauf!« behauptete der Ritter. »Sie haben ihr Spiel mit uns getrieben, um uns nachher gründlich auszulachen. Wer hätte das den beiden Duckmäusern zugetraut!«

»Lieber Alter!« sagte Katharina, »ich fürchte, du täuschest dich.«

Er wurde beinah' ärgerlich. »Aber das ist doch klar wie der Tag!« rief er. »Sie sind sich alle vier einig; Ernst ist gestern vorausgeritten und hat Hans von der Minneburg aus geschrieben, daß sie ihn erwarteten. Gib acht! sie kommen heute noch mit zwei Bräuten zugleich angerückt, von denen die eine Richilde und die andere Juliane heißt.«

»Wenn ich's sehe, will ich's glauben,« lachte Katharina.

Auf den Gedanken freilich konnten sie beide nicht kommen, daß Ernst die Geliebte nach Sinsheim entführt und Hans als seinen Nothelfer dahin bestellt hatte. –

Als die Flüchtlinge im Kloster beim grauenden Morgen die Glocke zur Hora läuten hörten, klang sie Richilden wie das Armesünderglöcklein, das sie für schweren Fehltritt zur Rechenschaft rief. Ernst, dem ein stärkender Schlummer den gestern etwas gesunkenen Mut wieder gehoben hatte, deuchte ihr hallender Ton wie fröhliches Brautgeläut. Sidonie aber dachte weiter nichts dabei, als: die armen Mönche! so früh schon heraus zu müssen! ist ihnen aber ganz recht, sind auch Hagestolze und Ehehasser; hätten sie sich eine Frau genommen, könnten sie länger schlafen und vergnügter erwachen. Und mit dem ihr durchaus nicht neuen Vorsatz, keine Nonne werden zu wollen, warf sie sich in dem harten Mönchsbett von der einen Seite auf die andere und schlief wieder ein.

Nachdem sich die Ausgeruhten dann vom Lager erhoben hatten, ließ man es auch zu ihrer ferneren Verpflegung an nichts fehlen. Im kleinen Refektorium, wo sonst nur der Abt mit den ihm zunächst stehenden Würdenträgern seines Klosters zu speisen pflegte, wenn er vornehme Gäste hatte, wurde ihnen ein ausgezeichnetes Frühmahl aufgetragen, das sich besonders Sidonie trefflich munden ließ, dem aber Ernst und Richilde aus begreiflichen Gründen nur sehr mäßig zusprachen.

Nach der Terz ließ Ernst den Abt um eine Unterredung bitten, die ihm auch sofort gewährt wurde.

Herr Meinhard von Angeloch war ein würdiger Prälat, gewissenhaft und pflichttreu in Sachen des Glaubens und der Kirche, daneben aber erlaubten weltlichen Freuden durchaus nicht abhold. Er war von untersetzter Gestalt, noch kaum an der Schwelle des Greisenalters und bei entsprechender körperlicher Rüstigkeit von ungemeiner Klarheit und Frische des Geistes, die sich in einer fesselnden Unterhaltung und einer zwanglosen Heiterkeit offenbarte.