»Hans,« sprach sie dann, »ich will kein Geheimnis vor dir haben. Weißt du, was uns zusammengeführt hat? – das Recht der Hagestolze.«

»Kommst du wieder mit diesem stachligen Rätselwort!« rief er lachend. »Willst du mir nicht endlich sagen, was dahinter steckt?«

»Ja, Liebster! jetzt aus meinem Munde sollst du alles erfahren,« erwiderte sie. »Komm, setze dich, wo du schon manchmal gesessen hast.«

Und nun erklärte sie ihm den Wortlaut und die Bedeutung dieses seltsamen Rechtes, erzählte ihm von dem Plane, den daraufhin seine Brüder und Freunde gegen sie beide geschmiedet hätten, und wie sie nach erhaltener Kunde davon ihn im Verdacht der Mitschuld gehabt und gehaßt hätte, – »gehaßt,« lächelte sie, »ach! und zugleich so grenzenlos geliebt, wie ich es mir selber nicht eingestehen mochte!«

Hans hatte sie mit steigender Verwunderung angehört. Nun sprach er grollend: »Ein Meisterstreich von Keckheit und Hinterlist meiner Brüder und Freunde! Wehe ihnen, hätt' ich davon Wind bekommen!«

»Nein, Hans!« erwiderte sie, »wir sind ihnen Dank schuldig. Ohne Bliggers kühnen Griff in unser Schicksal wärst du vielleicht nie wieder durch das Tor der Minneburg geritten.«

»Juliane!« rief er, »hätt' ich dich nicht geliebt, – mit ihrem Recht der Hagestolze hätten sie mich nun und nimmermehr zum Heiraten gebracht!«

Liebeglühend sanken sie sich in die Arme, und vom dunkelnden Himmel herab leuchteten dem seligen Paare glückverheißende Sterne.


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