»Komm her, Susanne!« rief Bligger, »hier hast du statt des versprochenen einen Goldguldens deren zwei in deinen Mahlschatz! für jedes Paar einen.«

Das Mädchen dankte überfroh und sagte: »Fräulein Sidonie, wie steht's mit Eurem Herzen?«

»Ist noch zu haben,« antwortete Sidonie, »aber es will's keiner. Weißt du was, Susanne? Hier kreuzen sich viele Wege; sage jedem ledigen Mann, der vorüberkommt, auf Zwingenberg am Neckar säße eine verwunschene Jungfrau, die auf einen Freier wartete, und wer sie erlöste, der könnte sieben Tage in der Woche lachen.«

»Vorwärts! weiter!« mahnte Bligger. »Lebt wohl! und besucht uns bald auf der Mittelburg. Soll ich dir etwas schicken, Hans?«

»Ja,« sagte Hans, »die Harfe unseres Ahnherrn.«

»Sollst sie morgen haben,« erwiderte Bligger, »daß du deiner Liebsten klimpern und singen kannst, tandaradei!«

Man nahm Abschied voneinander und trennte sich. Bligger und Ernst schwenkten linksab nach Neckarsteinach, der eine voll hoher Genugtuung über das Erreichte, der andere voll freudiger Hoffnung auf kommende Zeit. Engelhard zog mit Sidonien und Richilden nach Zwingenberg, und Hans und Juliane ritten nach ihrem stolzen Schlosse, der talüberschauenden, waldumrauschten Minneburg.

In tiefer Dämmerung langten sie dort an. Oben im Palasgemach traten sie in den Erker, und Hans umschlang sein Weib und sprach: »Geliebte meiner Jugend, endlich bist du mein!«

»Juliane Landschad von Steinach!« jubelte sie und warf sich freudebebend an ihres Gatten Brust.