In ihren Augen blitzte es kampflustig auf. Sie warf einen raschen Seitenblick nach dem jugendlichen Kreise am Erker, und Hans glaubte schon, daß die gefürchteten Auseinandersetzungen nun ihren Anfang nehmen würden. Allein die Gegenwart Ernsts und der Mädchen mochte sie wohl davon zurückhalten, und ihn fest anblickend sprach sie erregt: »Wenn ich nun aber keinen Frieden mit euch will?!«

»Dann ist mein Geschäft hier zu Ende,« erwiderte Hans entschieden und erhob sich.

Juliane war überrascht und augenblicks reute sie das vorschnelle Wort. So hatte sie es nicht gemeint. Nur mit Bligger wollte sie nicht Frieden machen, den sie haßte, weil sie glaubte, daß er seinen Bruder bestimmt hatte, sich von ihr abzuwenden. Zum Friedensschlusse mit Hans und auch wohl nach zu einem Schritt weiter wäre sie gern bereit gewesen, wenn er die Neigung dazu verraten hätte. Sie hatte ihn nicht wiedersehen wollen, und als sie ihn jetzt dennoch wiedersah, fühlte sie sich ihm gegenüber so schwach in ihrem Herzen, daß sie sich vor sich selber schämte, ihm nicht so feindlich begegnen zu können, wie es ihr Groll auf ihn verlangte. Daher die Heftigkeit und die schneidende Kälte, zu der sie sich zwingen mußte, mit der sie sich schützen und verschanzen wollte, damit er nicht entdeckte, wie hinfällig die Wehrkraft in ihrem Innern gegen ihn war. Doch an das, was sie einst im Geheimen miteinander verbunden hatte, schien der Treulose nicht mehr zu denken und noch weniger daran, das Vergangene zurückzurufen und in der Gegenwart neu zu beleben; denn er hatte immer nur von dem Walde und im Namen der drei Brüder Landschad, nicht von sich selber zu ihr gesprochen. Ob ihre Unterredung wohl eine andere Wendung genommen hätte, wenn sie beide ohne Zeugen gewesen wären? Aber das Alleinsein mit ihr hatte er offenbar vermeiden wollen, sonst hätte er Ernst nicht mitgebracht. Und wenn er ihre soeben hingeworfene Bemerkung auch auf sich beziehen und überhaupt als ihr ernst gemeintes, letztes Wort betrachten konnte, so hatte sie sich, mehr von ihm erwartend, in ihm geirrt. Dann mochte er gehen; sie hatte ihn nicht gerufen, sie wollte ihn auch nicht halten.

Fast zugleich mit ihm stand sie auf und sagte mit beißendem Spott: »Ich bedanke, daß Ihr den Weg, auf den Ihr Euch so lange besonnen und gewiß unsäglich gefreut habt, nun leider vergeblich machen mußtet!«

Bekümmert sah Ernst, daß sein Oheim im Begriff war, sich zu verabschieden. Doch er konnte es nicht hindern und gesellte sich zu ihm, während die drei jungen Mädchen Julianen umringten.

»Ihr wollt es so, und der Wald bleibt unser,« sprach Hans ruhig und bestimmt. Und ohne sich durch Julianens scharfe Herausforderung zu einem ähnlichen Ausfall gegen sie hinreißen zu lassen, fügte er freundlich hinzu: »Oder wollt Ihr unseren Vorschlag doch noch einmal in Erwägung ziehen und uns Botschaft senden, falls Ihr eine andere Entscheidung treffen solltet?«

»Wir könnten auch wiederkommen und sie uns holen,« beeilte sich Ernst hinzuzufügen.

Darauf antwortete Juliane nicht gleich, denn sie war in einer haltlosen Verfassung. Aber Sidonie, die hinter ihr stand, nickte ihrem Vetter lebhaft zu, und wie er Richilden ansah, begegnete ihm ein strahlender Blick aus ihren Augen, und mit Freuden gewahrte er ihr holdes Erröten.

»Auf die Bedingungen Eures Bruders gehe ich nicht ein,« brachte Juliane endlich mühsam hervor.