»So bitte ich nochmals, daß Ihr die Eurigen stellt und uns wissen laßt,« erwiderte Hans. Und als sie schwieg, hielt er ihr die Hand hin und sprach: »Lebt wohl, Frau Juliane Rüdt von Kollenberg!«

»Lebt wohl!« kam es fast tonlos von ihren Lippen. Sie war marmorbleich. Ihre Hand berührte leicht die seine; aber er merkte nicht, wie sehr diese Hand zitterte, die früher oftmals warm und lange in der seinen gelegen hatte.

Auch Ernst reichte jeder der Damen die Hand, und wonnig durchschauerte es ihn, als er Richildens sanften Gegendruck fühlte.

Die Landschaden gingen hinaus. Juliane trat an das Fenster ihres Erkers und blickte in das Tal hinab. Die Mädchen sollten nicht merken, wie es in ihr wogte und wühlte.


Neuntes Kapitel.

Während sich die Junker Hans und Ernst bei Frau Juliane auf der Minneburg befanden, war Isaak Zachäus von dort nach der Mittelburg bei Neckarsteinach zurückgekehrt, ohne den beiden unterwegs begegnet zu sein. In einer langen, geheimen Unterredung gab er Herrn Bligger ausführlichen Bericht über alles, was er auf der Minneburg gesehen und gehört, besonders aber was er dort getan und gesagt und in welcher Weise er den Damen das Horoskop gestellt hatte.

Bligger war mit der erhaltenen Auskunft hoch zufrieden und belohnte den Juden mit einem ansehnlichen Geldgeschenk. Zugleich ließ er sich folgendermaßen vernehmen: »Nun habe ich einen neuen Auftrag für Euch, Zachäus. Ihr begebt Euch morgen nach Heidelberg zu dem Doctor juris Christoph Wiederholt und fragt ihn, ob er wüßte, wer der Fremde im Mönchsgewand gewesen wäre, der ihn vor zehn Tagen spät abends besucht und sich nach dem Recht der Hagestolze bei ihm erkundigt hätte. Weiß es der Doktor nicht, so sagt Ihr es ihm auch nicht. Weiß er aber jetzt, daß ich es war, so ersucht Ihr ihn in meinem Namen, über den Besuch und namentlich über die Veranlassung zu demselben das strengste Geheimnis zu bewahren. Ich habe leider versäumt, ihm Stillschweigen aufzuerlegen, werde es ihm aber reichlich danken, wenn er reinen Mund hält. Das sagt ihm und dann bringt mir Bescheid, was er darauf antwortet.«

Isaak versprach, auch den neuen Auftrag zur vollen Zufriedenheit des Ritters auszuführen.