»Ich konnte mit den beiden Grafen eine gute Strecke Weges reiten, und da nahm ich die Gelegenheit wahr, mit den Herren mancherlei Gerechtsame ausführlich zu besprechen.«
»Sehr gut, ausgezeichnet, Eike!« rief Graf Hoyer. »Der Blankenburger und der Regensteiner und die übrigen, die mit bei dem Gastmahl gewesen sind, werden das dort Vernommene nun noch weiter herumbringen, und du wirst dir, ehe du deine Schrift fertig hast, schon eine Menge Anhänger und Freunde im Lande erobert haben.«
»Jaja, aber an Gegnern wird es mir auch nicht fehlen,« wandte Eike ein. »Neben dem Grafen von Regenstein hatte ein ritterlicher Lehnsmann des Fürsten aus dem Hasgau gesessen, und der war anderer Meinung gewesen. Er hatte aus dem Munde – nun, wessen wohl?«
»Dowalds von Ascharien?«
»Dowalds von Ascharien scharf absprechende Urteile gehört und sie dem Grafen Günter hinterbracht, ohne indessen bei diesem ein geneigtes Ohr zu finden.«
»Der alte Esel, der Ascharier, der es uns nie verzeihen wird, daß wir ihm damals so schnell heimgeleuchtet haben, wird mit seinen hirnverbrannten, nur von schnödem Eigennutz eingegebenen Anschauungen von Gerechtigkeit und Billigkeit nirgend Gehör finden,« brauste Graf Hoyer auf.
»Er soll mir nur noch einmal auf den Falkenstein kommen! da werde ich einen rascheren Kehraus mit ihm machen als ihr es getan habt,« drohte Gräfin Gerlinde in flammender Entrüstung.
»Allen Dank für Euer huldvolles Fürnehmen, Frau Gräfin!« lachte Eike. »Aber der gekränkte Ehrenmann wird auf seinen rastlosen Stegreiffahrten solche hämischen Anzettelungen überall unter denen ausstreuen, die einen Strang mit ihm ziehen, wird sie gegen mich aufhetzen und mir Feinde werben.«
»Die schlagen wir aus dem Felde,« tröstete ihn der Graf. »Es ist von großem Werte, daß meine lieben Waffenbrüder, die Harzgrafen, jetzt schon Kenntnis von deinen Bestrebungen erhalten. Von ihnen und ihrer Gefolgschaft verbreitet wird die Kunde vom Aufkommen einer neuen Rechtsordnung immer weitere Kreise ziehen und allerwegen freudig begrüßt werden, denn das Verlangen danach ist im ganzen Volke vorhanden. Heilo, Eike! stoß' an, – unser Sachsenrecht!«