Drei Becher klangen aneinander, und sechs Augen blitzten sich an in hochfliegender Hoffnung. –
Als Gerlinde zu später Nachtstunde ihre Gemächer betrat, nickte sie mit einem glücklichen Lächeln ihrer Harfe zu und flüsterte: »Du! wir bleiben noch zusammen, und morgen singen wir wieder.«
Einundzwanzigstes Kapitel.
»Ach, war das eine Nacht voll Schlaf! und ich lebe noch, sehe die Sonne und den blauen Himmel, und Er ist wieder da, nur durch ein paar Wände von mir getrennt. Heilige Mutter Gottes, ich danke dir!«
Mit diesem ihr aus voller Brust kommenden Ausruf reckte und streckte Gerlinde morgens beim Erwachen behaglich die ausgeruhten Glieder, blieb aber noch auf dem schwellenden Lager und fragte sich, Vergangenes und Künftiges bedenkend, wie es nun mit ihr und Eike hier werden sollte. – Alles so, wie es gewesen war, nur in einem Punkte anders. Von jetzt an wollte sie sich schweigend mit dem Besitz seiner Liebe begnügen und ihn in der heimlichsten Kammer ihres Herzens bewahren wie einen güldenen Hort, den ihr keine Macht der Erde rauben oder verleiden sollte.
Sie überlegte nicht im einzelnen, wie sie ihr Benehmen gegen Eike einrichten wollte, denn das würde sich in den Bahnen, die sie sich unabweichbar vorgeschrieben hatte, von selber ergeben. Auch das Alleinsein mit ihm scheute sie nicht, wünschte es vielmehr herbei, um ihm zeigen zu können, daß er keine Torheit, keinen überschäumenden Gefühlserguß mehr von ihr zu befürchten hatte.
So in ihrem Innern gefestigt, erhob sie sich und sah dem aufsteigenden Tage mutig entgegen. –
Beim Frühmahl tauschten Graf und Gräfin ihre Wahrnehmungen über Eikes Aussehen aus, das sie nicht rühmen konnten, denn beiden war er bleich und abgearbeitet erschienen. Der Graf sagte: »Er will nun öfter einmal pirschen gehen, und das wird ihm gut tun. Ob er ein trefflicher Schütz ist, weiß ich nicht und traue ihm in dieser Beziehung nicht viel zu; soll mich wundern, ob er Haar oder Feder heimbringen wird. Das schleichende und streichende Raubzeug wird wohl vor seinen Bolzen sicher sein.«