»Sollte der Palmsonntagstreit mit dem Bischof wieder aufflackern?« meinte die Gräfin.

»Daran habe ich auch schon gedacht,« sprach der Graf, »aber der Streit ist endgültig entschieden und beigelegt, und daraus würden sie auch kein Hehl machen. Wenn es überhaupt etwas wäre, das meine Schirmvogtei betrifft, würden sie es doch wenigstens angedeutet haben. Das Traurige ist, daß ich nicht imstande bin, aufs Pferd zu steigen und nach Quedlinburg zu reiten. Also mußt du hin, Eike!«

Gerlinde machte eine erschrockene Bewegung, weil plötzlich eine Ahnung in ihr auftauchte, die sie in die Worte faßte: »Es wird doch keine Falle sein?«

»Eine Falle?«

»Ja, eine vom Gröninger Abt gestellte Falle. Kennst du die Handschrift der Kanonissin?«

»Nein.«

»Warum schreibt Osterlindis nicht selbst? Der Brief könnte gefälscht sein. Man weiß vielleicht, daß du nicht reiten kannst und baut darauf, daß Herr von Repgow –«

»Ah, jetzt verstehe ich dich,« unterbrach sie der Graf. »Du fürchtest, daß sie Eike einen Hinterhalt legen wollen. Tod und Teufel! das wäre doch ein Schelmenstück sondergleichen.«

Eike schüttelte den Kopf und sagte ruhig: »Darauf lass' ich's ankommen; ich reite morgen früh nach Quedlinburg, wenn Ihr glaubt, Herr Graf, daß mir die Äbtissin soviel Vertrauen schenkt, mich anstandslos in die vorliegenden Dinge einzuweihen.«