Nun saß sie in ihrem kleinen Gemach, ließ Stickrahmen und Harfe bei Seite und schrieb, was der Liebste geschaffen hatte. –

Wilfred hockte in seinem Kämmerlein, obwohl er nicht eingeschlossen war, wie in einem Kerker, geknickt und reuevoll am leeren Tisch, von dem ihm die fertigen Abschriften durch Folkmar abgeholt worden waren.

Die Begebenheiten der letzten Tage hatten die schlimmste Wendung für ihn genommen. Er war, wie er es nach dem geübten Verrat schon gefürchtet, wirklich in die Grube gefallen, die er dem Ritter gegraben, und nicht diesen, sondern ihn selber hatte das Verhängnis getroffen.

Melissa war trostlos, ehe sie noch wußte, was eigentlich vorgefallen war. Sie besuchte den Gefangenen, und auf ihre Frage, was er denn Böses verbrochen, gestand er ihr seine Untat, zu der ihn der Abt von Gröningen verleitet hätte.

»Das ist also deine Rache für den Fuchs. Fred, Fred, was hast du angerichtet!« jammerte sie, »hast dich ins Unglück gestürzt, und deines Bleibens auf dem Falkenstein kann nimmer sein. Was wird mit dir geschehen? und was wird aus mir ohne dich?«

»Das weiß der Himmel!« seufzte er. »Ich bin ein verfemter Mensch; sie werden mir auf der Richtstatt die Schreiberhand abhacken, mit der ich gesündigt habe.«

Ihr schauderte bei diesen Worten. Sie umschlang ihn, herzte und küßte ihn, um ihn aus seiner tiefen Kümmernis aufzurütteln.

In ihren Armen vergaß er das Verzweifelte seiner Lage und erwiderte ihre Liebkosungen mit einer Leidenschaft, gegen die sich das schmiegsame Mädchen nicht sträubte.

Dann setzte sie sich ihm auf's Knie, und ihren zerzausten Blondkopf an seine Schulter lehnend beriet sie mit ihm, ob nicht eine Rettung möglich wäre.

Aber Wilfred schüttelte zu allem, was Melissa vorschlug, ungläubig den Kopf und fand selber keinen Ausweg, den Banden zu entrinnen, in die er verstrickt war. »Goswig ist mein geschworener Feind und wird mir gegenüber niemals ein Auge zudrücken,« sprach er mutlos. »Er kann es auch gar nicht, denn er ist für mich verantwortlich und der Graf würde ihn aus dem Dienst jagen, wenn er mich auskommen ließe. Gib jede Hoffnung auf!«