Nun wurde gerade das, was Wilfred retten sollte, Melissas Kleid, zu seinem Verderben, denn weil es ihm oben etwas zu eng war und ihm unten die Glieder bis auf die Füße umbauschte, hinderte es ihn im Laufen.

Goswig war ihm bei der Verfolgung bald auf den Fersen, holte ihn ein und hatte eine diebische Freude an seinem Fange.

»Erbarmt Euch, Goswig, und laßt mich los!« bettelte der am Kragen Gepackte.

»Nichts da! Du und Melissa, ihr meintet einmal, ich könnte nach dem dritten Kruge Bier nicht mehr Mann und Weib unterscheiden. Jetzt habe ich dir gezeigt, daß ich das trotz deiner Verkappung doch kann, und ich bin dir auch noch den Lohn für die angeleimte Pelzkappe schuldig,« höhnte Goswig. »Komm, mein Bürschlein! jetzt sperr' ich dich fester ein.«

An einen Faustkampf mit dem noch sehr rüstigen und kräftigen Torhüter konnte Wilfred in der ihn einspannenden Frauenkleidung nicht denken, und so mußte er sich von dem hartherzigen Alten widerstandslos abführen lassen in das mit Schloß und Riegel versehene Turmgewölbe, aus dem ein Entweichen nicht möglich war.

Melissa, zu Tod erschrocken, flog die Treppe hinauf zur Gräfin, fiel ihr zu Füßen, erzählte ihr mit halb von Weinen erstickter Stimme, was sich eben ereignet hatte, und flehte sie an, beim Herrn Grafen die Begnadigung Wilfreds zu erwirken. Er habe sich nur auf Anstiften des Abtes von Gröningen zur Herstellung der Abschriften bequemt und sich auch an Herrn von Repgow für das Erschießen seines gezähmten Fuchses rächen wollen. Zugleich bekannte sie, dem Schreiber bei seinem Fluchtversuche mit der Hergabe eines ihrer Kleider behilflich gewesen zu sein.

Die Gräfin wußte bis jetzt noch nichts von dem Fuchse, fühlte jedoch ihrer getreuen Zofe wegen, deren Neigung zu Wilfred ihr nicht verborgen geblieben war, Mitleid mit den beiden und versprach, für den Bösewicht bei ihrem Gemahl ein gutes Wort einzulegen, dessen Erfolg sie freilich nicht verbürgen könne.

Melissa küßte ihrer huldvollen Herrin die Hand und entfernte sich, Hoffnung im Herzen. –

Ganz glatt ging das schwierige Unternehmen, den erzürnten Grafen zu versöhnen, zwar nicht vonstatten, aber er ebnete unabsichtlich der wohlwollenden Vermittlerin den Weg dazu.

Am Abendtische lachte er gleich anfangs ein paarmal vergnügt vor sich hin, und als ihn Eike und Gerlinde darob anstaunten, begann er schmunzelnd: »Ihr werdet nicht raten, worüber ich lache. Denkt euch, vor kaum zwei Stunden ist der Taugenichts und Hansnarr, der Wilfred, vom Torwart bei einem verwegenen Fluchtversuch erwischt worden und noch dazu in Weiberkleidung! Der Affe muß also unter unseren Burgschönen eine Liebste haben, die ihn mit ihrer Sonntagswat ausstaffiert hat. Jetzt sitzt er aber in einem Gewahrsam, aus dem er nicht wieder auskommen wird. Was sagt ihr zu dem Possenspiel?« schloß er immer noch lachend.