»Ich kann dir mehr darüber mitteilen als du weißt, Hoyer,« sprach Gerlinde. »Die Weiberkleidung hat ihm Melissa geliehen, und als er von Goswig wieder eingefangen war, hat sie mich fußfällig angefleht, ihm deine Verzeihung zu erwirken.«
»Was? dem Halunken soll ich verzeihen? davon kann gar keine Rede sein,« entgegnete der Graf.
»Höre mich weiter!« bat die Gräfin. »Wilfred ist vom Gröninger Abt zu dem Verrat aufgestachelt und verführt worden. Daneben hat er sich an Eike rächen wollen, weil der ihm seinen gezähmten Fuchs, mit dem er im Walde wie mit einem folgsamen Hunde verkehrte, erschossen hat.«
Eike sagte höchst verwundert: »Von Wilfreds Fuchse habe ich nie etwas gehört. Jetzt kann ich mir auch seinen Schrecken erklären, als ich ihm den toten Liebling an den Kopf warf, und ihm seinen Schmerz darüber und sein Rachegelüst vollkommen nachfühlen. Das sind nun doch Umstände, Herr Graf, die eine mildere Beurteilung des Falles erheischen und der Erwägung wert sind.«
Der Graf schwieg.
Aber Eike ließ nicht ab und fuhr inständig fort: »Es ist, glaub' ich, die erste Bitte, Graf Hoyer, die ich an Euch richte; erfüllt sie mir! übt Gnade gegen den Verbrecher und gebt ihn frei.«
»Eike, du, der Mann des Gesetzes, verlangst, daß Gnade vor Recht ergehe? Das verstehe ich nicht,« erwiderte der Graf.
»Laß dich erweichen, Hoyer!« drang auch Gerlinde auf ihn ein, seine Hand ergreifend.
Graf Hoyer blickte den einen und die andere nachdenklich und noch unschlüssig an. Endlich gab er nach. »Na, sei's drum! Euren vereinten Bitten und besonders deiner hochherzigen Fürsprache, Eike, will ich mich nicht halsstarrig verschließen. Der windschaffene Gesell ist frei, vogelfrei und soll sich zum – Kuckuck scheren!«
»Ich danke dir, Hoyer!« sprach die Gräfin, »und wie wird sich Melissa freuen!«