Hier auf dem Falkenstein hatte er es vollführt. Hätte er es bei sich zu Hause auf dem von seinen Vätern ererbten Lehen zu Reppechowe geschrieben, wäre es genau so ausgefallen wie hier, und kein Abt, kein Domdechant wäre ihm dort mit böswilligen Ränken und der Forderung des Widerrufs gekommen. Aber auch keine Gerlinde hätte ihn als seine Muse dabei hold umschwebt und mit ihrer Liebe begnadet.

Und nun mußte geschieden sein von der gesegneten Stätte des Wirkens und des höchsten Glückes.

Niemand vertrieb ihn, allein sich untätig hier zu verliegen, beständig Gerlindes sehnendes Leid vor Augen zu haben und den Kampf mit seinen eigenen rebellischen Gefühlen immer noch weiter zu führen, das brachte Eike von Repgow nicht fertig. Kurz entschloß er sich, morgen früh abzureisen.

Er begann, seine Papiere zu sichten, legte die losen, ungehefteten Bogen seines zu einem beträchtlichen Umfang angewachsenen Manuskriptes vor sich auf den Tisch, blätterte darin, las den Anfang von den zwei Schwertern, zu beschirmen die Christenheit, den Schluß von der Schuldlosigkeit des Wirtes gegenüber einem Friedensbrecher in der Herberge, hie und da die Überschriften einzelner Artikel und klappte es befriedigt wieder zu. –

Wilfred war aus Berg und Tal auf dem Wege zur Klosterschule in Gröningen. Nach einem herzzerreißenden Abschied von Melissa war er, nur von Goswigs höhnischem Fahrwohl geleitet, über die Zugbrücke weg gewandert, an seinem Wamse den Pelzkragen aus dem Balg des Fuchses, den er so oft im Walde auf seinem Schoß gestreichelt hatte.

An den Abenden in der Dirnitz vermißte man anfangs den durchtriebenen Schelm und erzählte sich noch manchen seiner tollen Vagantenstreiche, aber eine Träne weinte ihm, außer Melissa, keiner vom Gesinde nach. Sie hatten vom Wildmeister seinen an dem allverehrten Ritter von Repgow begangenen Verrat erfahren und verurteilten diese Treulosigkeit in den schärfsten Ausdrücken.

Weder der Graf noch Eike hatte ihn nach der Entdeckung seines Frevels noch gesehen. Graf Hoyer hatte ihn aus den Ringmauern der Burg verbannt, und damit war der Lump für beide abgetan.

Eike überlegte jetzt, wie er es seinen lieben Gastfreunden beibringen sollte, daß er sie nun verlassen würde. Aber da galt kein Hinausschieben; er mußte es ihnen ohne Umschweife sofort ankündigen.

Darum war er heute Mittag der erste im Speisesaal und empfing den Grafen und die Gräfin mit der gewichtigen Nachricht: »Mein Buch ist fertig, der letzte Federstrich daran getan.«

Die Wirkung dieser Mitteilung auf die beiden war eine wesentlich verschiedene.