Wilfred mußte umkehren und die Stufen hinabgehen bis zu einem Treppenabsatz, der soviel Raum bot, daß die beiden einander ausbiegen konnten.

»Ein Unglück kommt selten allein,« knurrte Wilfred, als er wieder treppauf stieg. »Erst der Reppechower, für den ich mir die Finger krumm und lahm schreiben soll, und dann der Ascharier, der den verflixten Vagantenstreich von mir weiß. Aber er will ja schweigen, hat er versprochen.« –

Kurze Zeit nach dieser für Wilfred peinlichen Begegnung trat Graf Hoyer in Eikes Gemach, um sich bei seinem lieben Gaste umzusehen und ihn zu fragen, ob ihm nicht irgend etwas fehle, worauf ihm Eike die Versicherung gab, daß er sich hier vollkommen wohl und behaglich fühle und ihm nichts zu wünschen übrig bleibe.

Danach begann der Graf unvermittelt: »Eike, mir geht etwas im Kopf herum. Wie werden wir den dickfelligen Ascharier wieder los?«

»Ich habe auch schon darüber nachgesonnen, Herr Graf,« erwiderte Eike, »und mir ist ein Einfall gekommen, der freilich, wenn seine Ausführung mißglückte, in das Gegenteil des erstrebten Zweckes umschlagen könnte.«

»Laß hören!« sagte der Graf gespannt.

Eike fuhr fort: »Ritter Dowald sieht mir nicht danach aus, als ob er sich viel aus schriftlicher Arbeit machte.«

»Der? nein!«, bestätigte der Graf lachend. »Auf einem Sitz hält er nur aus im Sattel oder beim vollen Humpen. Er schlägt eine gute Klinge und führt auch die Lanze tadellos, aber der Gänsekiel taugt nicht für seine Eisenfaust. Worauf willst du denn damit hinaus?«

»Auf eine List, Graf Hoyer. Sagt ihm, wir könnten uns hier nicht um ihn kümmern, hätten Tag für Tag von früh bis spät mit der Abschrift eines seltenen und berühmten Kodex zu tun, ein äußerst mühseliges Geschäft, weil die alte Handschrift sehr schwer zu entziffern wäre. Was das für ein Kodex ist, braucht er ja nicht zu wissen, darf überhaupt von dem Gesetzbuche nichts erfahren.«