»Hm! und du glaubst, damit würden wir ihn los, daß wir uns nicht um ihn kümmern? Du kennst ihn nicht, Eike! Der setzt sich hier wochenlang fest und vertreibt sich die Zeit mit Essen und Trinken. Ob wir dabei mittun oder nicht, danach fragt er so wenig wie das Kamel nach dem Purpur.«
»Aber er soll bei unserem Zeitvertreib mittun; abschreiben soll er uns helfen!« rief Eike.
»Uns abschreiben helfen? Das ist ein köstlicher Gedanke,« lachte der Graf.
»Nur unter dieser Bedingung dürfte er hier bleiben, müßt Ihr ihm sagen, wir brauchten notwendig noch eine fleißige Schreibhand. Haltet Ihr es für möglich, daß er darauf eingeht?«
»Nun und nimmermehr! ja, wenn es sich um einen gewagten Heckenritt handelt, so einen beuteverheißenden Schnapphahnzug, – da steht er seinen Mann, aber vor Geschreibsel in Klausur nimmt er Reißaus und läßt uns seines Rosses Eisen sehen.«
»Und dann haben wir gewonnen Spiel,« lachte nun auch Eike aus frohem Herzen.
»Eike, wenn das glückt,« sagte der Graf, »laß ich hoch oben am Bergfried als Abschiedsgruß für den fahrenden Ritter eine Fahne heraushängen. Heute mittag bei Tische werd' ich's ihm beibringen, und dann paß einmal auf, wie schleunig er Fersengeld gibt. Und sobald er zum Tore hinaus ist, lasse ich die Brücke aufziehen, damit er sich draußen nicht etwa eines anderen besinnt, umkehrt und wieder hereinkommt. Und dann, heut abend, da trinken wir eins auf seinen Ritt ins Blaue, denn wo er zu Nacht Unterschlupf suchen soll, weiß er gewiß selber nicht; er findet ja nirgend eine offene Tür.« –
Die Mittagsstunde kam heran und sollte für den Grafen und Eike zunächst eine unliebsame Überraschung bringen, auf die sie nicht gefaßt sein konnten und die in ihrem Angriffsplan eine kleine Verschiebung verursachte.
Kaum hatten sich die drei Herren mit der Gräfin zu Tische gesetzt, als Ritter Dowald anfing: »Euer Sekretarius Wilfred Bogner hat mir die seltsam lautende Mitteilung gemacht, Graf Hoyer, daß er mit dem hier gegenwärtigen Herrn ein neues Gesetzbuch über höchst sonderbare Rechte ausarbeitet. Was soll denn das, wenn ich fragen darf, für ein Gesetzbuch werden, Herr von Repgow?«