»Das freut mich, und ich habe auch nichts anderes von Euch erwartet,« fuhr der Graf fort. »Seht mal, wir beide, Repgow und ich, haben mit dem Gesetzbuch alle Hände voll zu tun und wissen gar nicht, wie wir allein damit fertig werden sollen, denn die Sache drängt zur größten Eile. Wie wäre es nun, wenn Ihr uns einige Wochen lang beim Schreiben fleißig hülfet?«

Dem Ascharier blieb vor Schreck der Bissen im Munde stecken. Er legte das Messer nieder und starrte den Grafen sprachlos an. Dann ermannte er sich und brachte nun stotternd vor: »O wie gerne, wie sehr gerne tät ich das, lieber Graf! aber – jammerschade! leider, leider muß ich heut nachmittag fort nach der Heimburg, wo man mich bestimmt und ungeduldig erwartet, denn ich habe dem zweitgeborenen Regensteiner, der dort oben auf dem Kegel horstet, meinen Besuch hoch und heilig versprechen müssen.«

Graf Hoyer wiegte das Haupt hin und her wie mit dem tiefsten Bedauern und in der bittersten Enttäuschung. »Das trifft sich schlecht,« sprach er, sich mühsam beherrschend, »ich hatte schon meine Hoffnung auf Euch gesetzt. Daß Ihr des Schreibens kundig seid, weiß ich, und es braucht ja nicht so schön zu werden wie eine kunstvoll gedrechselte Mönchschrift. Könnt Ihr uns nicht wenigstens heute nachmittag noch ein paar Stunden helfen?«

»Nein, nein! es geht nicht, es geht nicht,« beteuerte Dowald, Angstschweiß auf der Stirn. »Es ist ein weiter Ritt nach der Heimburg und schon die höchste Zeit zum Aufbruch, ich sollte längst in den Bügeln sein. – Folkmar,« rief er dem Diener zu, »laß mir mein Roß satteln, aber schnell! – Mit diesem Abschiedstrunke dank ich Euch, Graf Hoyer, und Euch, Gräfin Gerlinde. Ich wäre so gern noch geblieben und weiß, ihr hättet mich gern hier behalten, aber diesmal geht's nicht, ich komme bald einmal wieder und dann will ich bleiben so lange wie ihr wollt; heute geht's nicht, ich muß fort, muß gleich fort.« –

Als kaum ein Viertelstündchen später Ritter Dowald aus der Burg hinaus war, jubelte Eike: »Der Streich wäre gelungen, Graf Hoyer! nun heraus mit der Fahne am Bergfried!«

»– Nein!« entschied der Graf, »ich ärgere mich.«

»Worüber?«

»Daß der alte Schwätzer durch Freds alberne Prahlerei von deinem Buche weiß.«

»Ja, den berühmten Kodex konnten wir ihm danach freilich nicht aufbinden.«

»Ach, das ist Nebensache, aber der Ascharier kann's Maul nicht halten,« stieß Graf Hoyer grimmig hervor. »Er wird es allenthalben herumträtschen, daß hier auf dem Falkenstein ein neues Gesetzbuch geschrieben wird, und nun werden sie uns von allen Seiten mit törichten Fragen und aufdringlichen Ratschlägen kommen.«