Wenn Suffie ins Reden kam, wurde sie geschwätzig und hörte so bald nicht wieder auf. »Großmutter,« begann Wilfred, »Ihr habt doch meinem Vater selig so manchen guten Rat gegeben und –«

»Freilich, Fred, freilich!« unterbrach sie ihn sofort wieder, »gegen Tollwut mußte er ein Wolfsauge bei sich tragen und um den Hals eine Schnur von Krebsscheren gegen das Gewehr des groben Keilers, aber gegen Bärenpranken ist kein Kraut gewachsen; mit so 'nem Untier durfte er ohne ein paar starke Hetzrüden nicht anbinden.«

»Ich wollte nur sagen,« fuhr Wilfred fort, als er wieder zu Worte kam, »wißt Ihr denn kein Mittel zu Eurem eigenen Gesunden, daß Ihr wieder springen lernt?«

»Nichts, mein Junge, nichts,« erwiderte sie, das greise Haupt schüttelnd, »ich muß stillhalten, bis das alte Gerippe mit seiner Sense kommt und mich abmäht. Ein Menschenleben geht hin wie der Rauch, das ist so, seit die Welt im Wasser unterging.«

»Na, vorher wird's auch wohl nicht anders gewesen sein,« mischte sich Luitgard naseweis ein, »und Ihr seht doch unsern Schornstein schon recht lange rauchen, Großmutter.«

»Dir etwan schon zu lange, Luit?« begehrte Suffie auf. »Was weißt du dummes Balg von leben und sterben? In den zwölf Julnächten vorigen Winter hab' ich's einmal grausig hier durchs Tal toben und heulen hören, da muß Wode mit seinem wütenden Heer dicht über uns hingezogen sein, hat mir wohl einen Wink geben wollen, mich fertig zu machen. Hätt' er sich sparen können, der große Schimmelreiter, ich bin fertig.«

»Das eilt wohl nicht, Großmutter,« lächelte Wilfred. »Es hat schon manche um Lichtmeß gedacht, sie hätte ihr letztes Süpplein ausgelöffelt, und ist doch noch zu Walpurgis mit auf den Blocksberg geritten.«

»Zähme deine Zunge!« fuhr die Alte auf ihn los, richtete sich steif in die Höhe und maß den Kecken mit einem bösen Blicke. »Eine Besenhexe bin ich nicht.«

»Euch hab' ich damit nicht gemeint, es war nur ein Gleichnis,« beruhigte er die Beleidigte. »Es gibt Jüngere, die mit dem Teufel einen Tanz wagen, wenn die Engel nichts von ihnen wissen wollen.«

»Ach so!« lachte Luitgard, »nun, du hast ja oben auf dem Falkenstein einen blonden Engel, der gewiß nicht spröde ist und dir bei Tag und Nacht keinen Tanz versagt.«