»Darum kümmre dich nicht!« wies sie Wilfred scharf ab. »Die du im Sinn hast, zeigt mir ein holderes Gesicht als du.«

»Richtig, Falkenstein!« fiel Suffie ein. »Ihr habt ja schon seit Wochen einen fürnehmen Gast; was tut denn der so lange bei euch? harft und singt wohl mit der schönen, jungen Gräfin?«

»Nein, er arbeitet mit mir.«

»Arbeitet mit dir?«

»Ja, sie kritzeln ein Buch zusammen,« spottete Luitgard. »Denkt Euch, Großmutter, ein Buch, ein Gesetzbuch!«

»Davon verstehe ich nichts,« sagte die Alte. »Schreiberei ist verfluchtes Satanswerk und schafft nur Unheil.«

»Sagt das nicht, Großmutter! Das Mühlen- und Wasserrecht kommt auch in unserem Buche vor,« belehrte sie Wilfred, »höret ein Exemplum. Vor jedem Mühlengerinne muß ein Merkpfahl eingerammt sein, der anzeigt, wie hoch der Müller das Wasser in seinem Graben halten darf, nämlich nur so hoch, daß eine Biene mit aufgereckten Ohren auf dem Pfahle sitzen kann und sich dabei die Füße, aber nicht den Leib benetzt. Nun liegt es in meiner Hand, statt eine Biene mit ausgereckten Ohren zu schreiben ein Frosch mit hervorstehenden Glotzaugen. Das macht einen großen Unterschied aus, denn dann kann der Müller das Wasser viel höher stauen und seinem Rade mehr Kraft geben. Begreift Ihr das?«

»Ei wohl, schreibe so, Fred, und hole dir von Luit den Dank dafür.«

»Mir läuft unser Wasserrad schnell genug,« kam es verächtlich von des Mädchens Lippen. »Meinetwegen kann sich Fred selber auf den Merkpfahl setzen, von mir hat er keinen Dank zu verlangen.«