»Ich wollte Euch beim Zählen der Minuten ein Viertelhundert ersparen,« scherzte er. »Zählen ist ein langweiliger Zeitvertreib.«
»Und bei einem Stelldichein warten müssen ist eine Geduldprobe, die die gute Laune verdirbt.«
»Habt Ihr Erfahrung darin?« lächelte er.
»Ei nun, warum sollte ich nicht?« meinte sie neckisch.
Es war alles bereit und sie setzten sich. Der einfache Imbiß war schnell verzehrt, denn sie aßen beide wenig und sprachen auch wenig dabei, als erwöge jeder schon seinen Angriffsplan für das bevorstehende Turnier.
Als Melissa dann den Tisch abgeräumt hatte, brachte sie das große Schachbrett mit den etwas massigen, aber kunstvoll geschnitzten Elfenbeinfiguren geschleppt, und das Spiel konnte beginnen.
Nachdem sie gelost hatten, zog Gerlinde mit Weiß an und zeigte sich anfangs ihrem Gegner entschieden überlegen, obwohl er sich tapfer verteidigte und sich nirgend eine Blöße gab. Aber das änderte sich. Die Gräfin ließ bald in der nötigen Aufmerksamkeit nach, spielte immer langsamer und beging Fehler, auf die Eike sofort großmütig hinwies, statt sie ungerügt zu seinem Vorteil auszunutzen. Das ärgerte die Gräfin; sie wollte nicht von ihm geschont sein, aber vorsichtiger wurde sie deshalb doch nicht.
Als sie wieder einmal über die Maßen zögerte, ehe sie eine Figur anrührte, und er sich auf einen besonders schlauen Zug von ihr gefaßt machte, überraschte sie ihn statt dessen mit der Frage: »Wie lange ist es her, daß Ihr in Bologna waret?«
Mitten im Spiel schweifte sie ab auf ein so fernliegendes Gebiet! Kurz gemessen lautete sein Bescheid: »Fünf Jahre sind es her, daß ich von Bologna nach Cremona zum Kaiser Friedrich ritt und dann heimkehrte.«