»Stolzer Mann, Ihr denkt zu gering von mir,« schmollte sie.

»Zu gering? ach! viel größer als Ihr – zu wissen braucht, Gräfin Gerlinde!« schoß es ihm aus dem Grunde seines Herzens heraus.

Da leuchteten ihr die Augen in einem freudigen Glanz, und ihre Brust wogte auf und nieder.

Sie vertieften sich wieder in das Spiel, und es verging geraume Zeit, ohne daß ein einziges Wort zwischen ihnen fiel. Als aber Eike wieder einmal lange auf einen Zug der Gräfin warten mußte und endlich ungeduldig zu ihr aufsah, begegnete er dem Blicke Gerlindes, der traumverloren auf ihm ruhte. Purpurglut übergoß ihr Antlitz; verwirrt und beschämt, bei ihrer Versunkenheit in seinem Anblick von ihm betroffen zu sein, wandte sie sich ab. Dann sich fassend brachte sie, noch zitternd vor Erregung, hastig hervor: »Verzeiht! ich betrachtete Eure Gesichtszüge, weil sie mich an eine altrömische Gemme meiner Mutter erinnern, einen kostbaren Sardonyx mit einem schönen, überaus feingeschnittenen männlichen Kopf, dem Ihr so ähnlich seht, als hättet Ihr selber dem Bildner dazu gesessen.«

»Auch diese Figuren sind geschnitzt wie von Künstlerhand, zumal die zwei Königinnen. Aber wenn ich sie mit Euch vergleiche,« fügte er höflich hinzu, – »keine von beiden ist so schön wie Ihr, Gräfin Gerlinde!«

»Schmeichler!«

»Ich schmeichle nicht, Ihr seid eine geborene Königin.«

»Der Ihr einmal über das andere trutzig Schach bietet.«

»Möge die Königin sich schützen und hüten vor ihrem untertänigen Verfolger, der sie offen anfeindet und heimlich verehrt.«

»Sich schützen und hüten!« wiederholte Gerlinde leise. »Dazu ist sie zu schwach gegen – gegen die Übermacht, die sie bedrängt und bezwingt, und – und – –« Sie brach ab und sprang von ihrem Sitz empor. »Ich gebe das Spiel auf, ich kann nicht mehr,« hauchte sie bebend. »Geht, geht, Eike von Repgow! ich brauche Ruhe.«