Eine Stunde blieb Gerlinde nach dem Abendessen noch auf und grübelte fort und fort über Eikes Absage, die ihr nicht aus dem Sinn wollte. Dann begab sie sich, zeitiger als es ihre Gewohnheit war, in ihr fürstlich ausgestattetes Schlafgemach, das außer ihr und Melissa niemand betreten durfte, und ließ sich von der Jungfer entkleiden.

»Höre, wie der Wind braust!« sprach sie. »Ob ein Gewitter im Anzug ist? mir ist so schwer in den Gliedern.«

Und noch schwerer im Herzen, dachte Melissa. Zur Antwort gab sie: »Ich glaube nicht, Frau Gräfin, es ist nicht schwül draußen.«

»Doch, doch! mir klang es eben schon wie ferner Donner,« behauptete Gerlinde. »Da wird der Graf eine üble Nacht haben.«

»Wird der gnädige Herr morgen heimkehren?« fragte Melissa.

»Ich hoffe es, Melissa, aber ich weiß es nicht,« erwiderte die Gräfin.

Darauf schwieg die Neugierige, und nachdem sie ihren letzten Dienst getan und die Herrin zu Bett gebracht hatte, löschte sie das Licht und entschwand geräuschlos. Draußen sagte sie sich: »Ich hoffe es, – das soll so viel heißen wie: er wird doch nicht?!«

Auch Eike war, nachdem er den Imbiß kaum zur Hälfte verzehrt hatte, die Einsamkeit heute schier unerträglich, und doch war er zufrieden mit sich, daß er sich das Opfer auferlegt hatte und in seinem Entschlusse, das abendliche Zusammensein mit Gerlinde zu vermeiden, fest geblieben war. Die späte Stunde, die lautlose Stille in der Burg, das Halbdunkel in den lauschigen Winkeln des Saales mit den zum Kosen einladenden Sitzen, – in dem allen lauerten Gefahren, denen er sich und die Geliebte nicht aussetzen wollte.

Was nun anfangen mit der heißen Sehnsucht im Herzen? Natürlich arbeiten! Aber wenn er einmal sinnend und suchend aufschaute, die geschickteste Wendung zu finden für das, was er niederschreiben wollte, würde ihm Gerlindes verlockende Gestalt erscheinen, die da drüben so einsam saß wie er hier. Er bedurfte eines äußeren Zwanges, der ihm die Pfade seines Denkens gebieterisch vorzeichnete.