Da kam ihm ein aus der Verlegenheit helfender, guter Gedanke, – Wilfred mußte heran! Dem wollte er einen Teil von dem in die Feder diktieren, was er heute nachmittag nur flüchtig auf das Papier geworfen hatte. Dabei mußte er seine ganze Aufmerksamkeit auf den zu behandelnden Stoff lenken und durfte sich durch nichts beirren lassen.

Er wußte, daß Wilfred jetzt in der Dirnitz war und dort das versammelte Burggesinde mit seinen Schnurren und Schwänken unterhielt. Seiner habhaft werden konnte er aber nur, wenn er ihn sich selber herausholte, denn einen Boten hatte er nicht zu versenden. Ohne Säumen machte er sich auf, doch ein glücklicher Zufall führte ihm schon auf der Treppe den Knecht in den Weg, der sein hier im Geschirrbau eingestelltes Pferd wartete und es auch, weil Eike dazu keine Zeit hatte, täglich bewegte, damit es vom Stehen nicht steif und vom gräflichen Hafer nicht zu fett wurde.

»Sibold,« sprach er ihn an, »geh in die Dirnitz und schicke mir den Wilfred, ich hätte eilige Arbeit für ihn, er sollte gleich kommen.«

»Den Fred meint Ihr?« fragte der Knecht. »Ja, Herr, der wird da schwer loszukriegen sein, aber ich schaffe ihn Euch, und wenn ich ihn an Händen und Füßen gebunden bringen müßte.«

»Dann schnür' ihm die Hände nicht zu fest,« erwiderte lachend Eike, »denn er soll noch schreiben bei mir, viel schreiben.«

Darauf machten sie beide Kehrt auf der Treppe. Eike stieg wieder zu seinem Zimmer empor, und der Knecht trollte sich nach der Dirnitz.

Als Sibold hier dem Lustigsten im ganzen Kreise, der sich einer so haarsträubenden Zumutung, jetzt, bei nachtschlafender Zeit noch schreiben zu sollen, nicht im entferntesten gewärtigte, den Befehl des Ritters vor aller Ohren laut verkündete, saß Wilfred vor Schreck starr und versteinert da, während sämtliche Anwesenden in ein schallendes Gelächter ausbrachen und den giftig Dreinschauenden mit dem foppenden Singsang anjohlten: »Schreib, Schreiberlein, schreib! schreiben ist Zeitvertreib.« Nur Melissa beteiligte sich nicht an dem Spotte, sondern schenkte ihrem Günstling einen mitleidvollen Blick.

Ingrimmig erhob sich der Gehänselte und stapfte zu der Folterkammer hinauf, wie er Eikes Arbeitszimmer nannte, wenn er darin sitzen und schreiben mußte.

Diesmal mußte er bis tief in die Nacht hinein aushalten, ehe der erbarmungslose Gesetzgeber beim Schluß eines größeren Abschnittes mit dem Diktieren endlich Schicht machte und seinen erbosten Gehilfen entließ, der oben in seinem Turmlosier stöhnte: »O Jammer und Elend! was wird mein liebes Füchslein sagen, wenn ich ihm diese Niederträchtigkeit erzähle!«